Alte Heimat - neues Zuhause

Stadioneröffnung beim SK Rapid Wien

Schon seit geraumer Zeit fiebert die gesamte Rapidfamilie der Eröffnung des neuen Allianz-Stadions – von der Fanszene Weststadion genannt – entgegen. Neben einer Eröffnungsfeier steht auch ein internationales Testspiel gegen den englischen Topklub FC Chelsea an. Die Blues befinden sich zurzeit unter der Führung von Neo-Coach Antonio Conte im Trainingslager in Österreich.

 

Allerdings ist dieser Tag für die neue Heimstätte der Hütteldorfer reserviert, sodass der Gegner ausnahmsweise etwas weniger interessant ist. Schon im Frühjahr dieses Jahres begann der Vorverkauf für Abonnenten und Mitglieder, nur wenige Restkarten gingen in den freien Verkauf. Umso wichtiger war es, im Besitz einer Mitgliedschaft oder einer Jahreskarte beim SK Rapid zu sein. Selbst gegen sogenannte Dorfklubs wie Grödig wäre das neue Stadion wohl in wenigen Tagen ausverkauft gewesen. Aus ganz Österreich und dem Ausland pilgern Fans in den Westen Wiens, fahren aus Tirol mit dem Zug in die Hauptstadt.

 

Das Stadion

Obwohl ich schon mehrmals vor dem Stadion gestanden habe, war es gestern ein völlig neues Gefühl, als sich die Stadiontore um exakt 15 Uhr zum ersten Mal öffneten. An der gleichen Stelle existierte vor exakt 17 Monaten noch das Gerhard-Hanappi- Stadion, heute steht auf diesem Areal ein modernes Stadion, was über 50 Millionen Euro kostete und bei ausverkauftem Hause knapp 28.600 Fußballfans beherbergt. Für die gesamte Rapidfamilie war es ein emotionaler Moment, die neue Heimstätte endlich betreten zu dürfen. Schon bald wurden die ersten Fangesänge im neuen Block West angestimmt und die Akustik des West-bzw. Allianz-Stadions kam erstmals zum Vorschein. 

 

Das niedrig angesetzte Dach – zwischen den letzten Reihen und dem Stadiondach sind keine 3 Meter – kommt der Stimmung sehr gelegen, verhindert allerdings auch einen raschen Rauchabzug. Die Arena wirkt farblich gut abgestimmt und sehr zweckmäßig gebaut. Um mehr Zusehern Platz zu bieten, sind die Auf- und Abgänge sehr schmal gehalten, was bei einem ausverkauften Stadion zu Problemen führt.

 

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Die öffentliche Anbindung ist sehr akzeptabel, der nahegelegene Bahnhof Hütteldorf verfügt über Zuganbindungen in verschiedene Bundesländer, S-Bahnen und einen U-Bahn-Anschluss. Parkplätze gibt es in der näheren Umgebung, wenngleich einige davon reserviert sind. Nach der gewöhnlichen Eingangskontrolle gibt es die Möglichkeit, sich unter den Tribünen frei zu bewegen.

 

Eine ganze Gegengerade ist mit Business-Seats und VIP-Logen besetzt, die von finanzkräftigen Unternehmen für mehrere Jahre angemietet wurden und auch als Büro oder Veranstaltungsraum außerhalb der Heimspiele genutzt werden können.

 

 

Schon seit einigen Wochen war klar, dass die Fertigstellung mindestens bis kurz vor Einlass dauern wird. Trotz Nachtschicht (der komplette Gästesektor wurde bestuhlt) wurden die Bauarbeiten nicht rechtzeitig fertig. Knapp 60 Business-Seats und vor allem die im Boden versenkbare Bestuhlung im Block West fehlte.

 

 

Ansonsten ist es den Verantwortlichen gelungen, in kurzer Zeit und mit vergleichbar wenig Budget ein tolles Stadion zu bauen. Der österreichische Fußball wird davon sicher profitieren, genauso wie von dem Umbau der Generali-Arena in den nächsten zwei Jahren.

 

Gastronomie im Stadion

Das Gastro-Angebot wurde stark erweitert, mittlerweile gibt es Pizzen und Asia-Noodles neben den Klassikern wie Hot Dog oder Käsekrainer. Die Preise blieben angemessen teuer, 0,5 l Bier kosten etwas über € 3 exklusive Becherpfand, eine ganze Pizza erhält man ab € 8. Weitaus interessanter ist hier allerdings das kontaktlose Bezahlsystem, welches auch im Gästesektor gilt. Die Konsumation kann ausschließlich über die neue Rapid-Marie bezahlt werden. Eine aufladbare Plastikkarte sorgt für ein kontaktloses und bargeldloses Bezahlen. Sollte nach dem Spiel noch Guthaben übrig sein, kann dieses per Automat wieder in Bargeld gewechselt werden. Die Rapid-Marie ist im Stadion erhältlich und kann dort oder davor mit bis zu € 250 aufgeladen werden, außerdem ist sie nicht personalisiert.

 

Die Wartezeiten wurden im Vergleich zu den vorigen Stadien (Hanappi und Happel) beträchtlich verkürzt, es bildeten sich gestern auch keine langen Schlangen.

 

Das Rahmenprogramm

Da eine Stadioneröffnung im Normalfall nur wenige Male in einem Jahrhundert ansteht, muss diese natürlich gebührend gefeiert werden. Ein Team rund um Rapid-Stimme Andy Marek begann schon vor Monaten mit der Planung dieses Nachmittages. Die Special-Needs- Teams (gehandicapte Spieler) von Chelsea und Rapid trugen das erste Fußballspiel am Rasen des neuen Stadions aus. Nach spannenden 24 Minuten gewann der SK Rapid mit 3:2. Trotz der Niederlage wurden beide Teams nach Abpfiff gebührend gefeiert.

 

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Zu Beginn sorgten Kurt Ostbahn, die Wiener Philharmoniker, die Wiener Sängerknaben, Alkbottle und Flowrag für die musikalische Untermalung der Eröffnung, die unter dem Namen „Tradition trifft Innovation“ stand. Auf den musikalischen Akt folgte eine Ehrenrunde eines Harley-Davidson- Klubs.

 

Kurz darauf trugen zahlreiche Rapid-Legende wie Herbert Feurer, Michael Konsel, Christian Keglevist, Reinhard Kienast, Markus Katzer und viele mehr die verschiedenen Wappen aus der Geschichte des SK Rapid in das Stadion.

 

An diesem Tag waren natürlich noch viele andere, verdienstvolle Ex-Spieler und prominente Persönlichkeiten im Stadion. Beispielsweise Jürgen Patocka, Innenverteidiger in der bisher letzten Meistersaison 2007/08. Auch „Facebook-Star“ Marco Wagner war dabei, er stand sogar im Block West. Chelsea-Boss Roman Abramovich (inkl. zahlreicher Bodyguards) ließ sich die Eröffnung ebenfalls nicht entgehen.

 

 

Anschließend durchschnitten Präsident Michael Krammer, der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer und Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner symbolisch das grüne Band durch. Kurz vor Anpfiff sang Rapid-Legende Alfred Körner gemeinsam mit 28.200 Rapid-Fans die Vereinshymne, den emotionalen Höhepunkt der Eröffnung.

 

Fanshop, Museum & Fancorner

Der neue Fanshop, das neue Rapideum (Museum des SK Rapid) befinde, sich nun ebenfalls mit dem neuen Fancorner direkt im Stadion. Mittlerweile gibt im Merchandising-Bereich nichts, was es nicht gibt. Von Elektrogeräten über klassische Schals oder Trikots, gestern wurde alles gekauft, was nicht verschraubt oder verklebt war. Nach langer Zeit entschied ich mich auch zum Kauf eines Rapid-Trikots, nach 30 Minuten Wartezeit an der Kasse wurde es das neue Auswärtstrikot inklusive Traustason-Aufdruck.

 

Das Spiel

Die Eröffnung ging beinahe nahtlos in das Spielgeschehen über, nachdem sich die Mannschaften ausnahmsweise auf den Trainingsplätzen hinter dem West- bzw. Allianz Stadion aufgewärmt hatten. In einem kurzweiligen Testspiel gewann der SK Rapid durch Tore von Neuzugang Joelinton zu Beginn und Tomi gegen Ende der Partie mit 2:0. Die Blues fanden zwar auch die ein oder andere, gute Chance vor, nutzten ihre Überlegenheit in der zweiten Hälfte allerdings nicht.

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Diego Costa blieb während des Spiels weitestgehend unsichtbar, fiel allerdings durch das ein oder andere Privatduell mit Srdjan Grahovac auf. Der Sieg trieb die Stimmung nach dem Spiel erstmals so richtig in die Höhe und ließ einen Großteil der Besucher noch etwas im neuen Stadion verweilen. Vom Kleinkind bis zum Pensionisten, der schon die Hanappi-Eröffnung miterlebt hat, alle waren sie vor Ort.

 

In der Pause wurde mit dem Neuzugang Arnór Invi Traustason die neue Nummer 23 vorgestellt. Der Isländer ist erst am Spieltag mit seiner Familie in Wien gelandet, steigt aber schon am Montag ins Mannschaftstraining ein.

 

Kritikpunkte

Da durch den knappen Zeitplan noch nicht alles einwandfrei funktionieren kann, gibt es den einen oder anderen Kritikpunkt zu einem eigentlich sehr gelungenen Tag.

 

Für den Block West dürfen international nur knapp 4.000 Tickets verkauft werden, national fast 8.500. Die Auf- und Abgänge sind allerdings nicht ganz auf mehr als 8.600 Besucher (einige kletterten über Absperrungen und Zäune in den Block) ausgelegt, sodass es schon lange vor dem Anpfiff rappelvoll wurde. Vor allem im unteren Bereich der Tribüne gab es großes Gedränge, wodurch auch die Auf- und Abgänge blockiert wurden. Es dauerte 15 Minuten, um von oben zu den Ausgängen zu gelangen. Hinauf kam man gar nicht mehr, dazu war die Tribüne viel zu voll. Diese Umstände sorgten auch für die ein oder andere Auseinandersetzung in der Fankurve.

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Fazit

Auch finanziell war es für den SK Rapid ein sehr gelungener Tag, zu den Ticketing-Einnahmen von einer knappen Million Euro brutto kamen gestern noch etliche hunderttausend Euro aus der Gastronomie und dem Fanshop. Ich kann nur empfehlen, sich selber ein Bild von dem – stand heute - jüngsten Fußballstadion der Welt zu machen, auch als Auswärtsfan. Und als Rapidler sollte man es sowieso mehrere Male besuchen. Im Endeffekt einer der emotionalsten, schönsten und bedeutendsten Tage in der Geschichte des SK Rapid Wien.

 

Ein Bericht von Fussballwelt.at-Leser und Gast-Redakteur Mario. Vielen Dank!

 

Wikipedia Eintrag des Allianz Stadions: https://de.wikipedia.org/wiki/Allianz_Stadion

 

Ein Bericht von Mario Jandrisevits


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