Groundhopping - FC Bayern München

Allianz Arena | 26.04.2017 | DFB Pokal-Halbfinale

Berlin, Berlin - Wir fahren nach Berlin!

 

Bayern München gegen Borussia Dortmund, das absolute Spitzenspiel im deutschen Fußball der letzten Jahre. Im Halbfinale sollte das Spiel, das von einigen Medien ganz kreativ "Der Klassiker" genannt wird, zum 20. Mal im DFB-Pokal stattfinden. 

 

Ein regnerischer Tag Ende April. Eine Partie zwischen den Gastgebern, denen von manchen "Experten" trotz der bevorstehenden Meisterschaft schon eine Minikrise angedichtet wurde, und eine Gästemannschaft, die nach einem Anschlag auf den Mannschaftsbus noch nicht wieder in die Spur gefunden hatte. Es gibt wohl bessere Vorzeichen für ein Fußballspiel. Trotzdem ging es um den Einzug ins Pokalfinale, um die Möglichkeit einen Titel zu holen und  die Hauptstadt für eine Nacht in die eigenen Farben zu tauchen.

 

Während für die Bayern ein Ausscheiden im Halbfinale eine kleine Katastrophe wäre, wäre es für die Dortmunder wieder mal die Chance, dem Serienmeister auch in Deutschland - wenigstens für ein Spiel - die Grenzen aufzuzeigen.

 

(c) Johannes Hauser
(c) Johannes Hauser

Das Spiel

Die Partie begann anders als erwartet, besonders wenn man an das Spiel knapp drei Wochen zuvor denkt, das die Roten souverän mit 4:1 gewannen. Dortmund begann in einem 4-4-2, bei dem die schnellen Stürmer Aubameyang und Reus die Bayern-Defensive früh unter Druck setzten. Dem Neuer-Ersatz Sven Ulreich gelang das sichere Aufbauspiel unter Druck nicht so wie der verletzten Nummer Eins, sodass es immer wieder zu brenzligen Situationen kam. Auch das Tor resultierte aus einer solchen: Schwacher Rückpass von Javi Martínez, Raphael Guerreiro sprintete dazwischen. Sein Abschluss wurde von Ulreich noch abgefälscht, sodass Philipp Lahm auf der Linie das Tor zu verhindern versuchte. Allerdings kam er mit seinem Klärungsversuch nicht am heranstürmenden Marco Reus vorbei, der sicher zur frühen Führung der Schwarz-Gelben abschloss. Es entwickelte sich eine flotte Partie, in die Bayern durch einen Standard wieder zurückkam. Nachdem die vorhergehenden Ecken von Arjen Robben äußerst ineffektiv waren, durfte Altmeister Xabi Alonso ran. Gute Hereingabe, Javi Martínez hatte in der Mitte keine Probleme sich durchzusetzen und netzte per Kopf durch die Beine von Roman Bürki zum 1:1 ein. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Bayern das Spiel, Mats Hummels konnte nach einem Traumpass von Franck Ribéry zur Führung gegen seinen Ex-Verein treffen. Obwohl die Gastgeber noch tolle Chancen hatten, konnte sich der BVB in die Halbzeitpause retten. Die Münchner Fans ließen da schon keinen Zweifel aufkommen, wohin sie am 27. Mai fahren werden. Natürlich nach Berlin.

 

Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die Erste, die Dortmunder wurden wieder stärker. Diesmal konnten die Hausherren aber dagegenhalten. Den Unterschied machte dann die Chancenverwertung - und Ousmane Dembele. Der junge Franzose, der vom rechten ins zentrale Mittelfeld wechselte, bereitete den Kopfballtreffer von Pierre-Emerick Aubameyang vor und schoss den BVB mit einem herrlichen Schlenzer in Führung. Während Robert Lewandowski auf der Gegenseite der schwächste Mann am Platz war, zeigte der 19-jährige Franzose einmal mehr sein Riesenpotential. Da die Bayern, trotz einiger Hochkaräter, kein Tor mehr erzielen konnten, lautet das DFB-Pokalfinale 2017 Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt.

 

(c) Johannes Hauser
(c) Johannes Hauser

Das Stadion

Mit der Allianz Arena war Bayern München 2005 wie so oft seiner Zeit voraus. Damals wurde das Stadion eröffnet, heute wird es offensichtlich für fast jede Spielstätte als Vorlage verwendet, egal ob in Madrid, Barcelona oder London. Durch die - zum Leiden der Auswärtsfans - in neuen Stadien übliche "Arena-Card" kommt es zu vergleichsweise kurzen Wartezeiten an den Gastroständen, die mit ihrem Angebot aber punkten können. Auch die beiden Fantreffs laden zum gemütlichen Fachsimpeln ein, sind aber meistens recht schnell voll. Leider gibt es dort (zumindest bei diesem Spiel) nur Zutritt für Heimfans, durch Verstecken der Fanutensilien kann dies aber recht einfach umgangen werden :-)

 

Mit 75.000 möglichen Besuchern ist sie mittlerweile "nur noch" fast immer ausverkauft, was bei diesem Spitzenspiel aber natürlich der Fall war. Von einem Fanclub waren vor dem Halbfinale stimmungstechnische Probleme in den vorhergehenden Spielen angesprochen worden, die man trotz der guten Plätze in der Südkurve auch in dieser Partie merkte. Nur nach dem Ausgleich bis zur Halbzeitpause hatte man das Gefühl, dass die Kurve ihr volles Potential ausschöpfen konnte, ansonsten ließ man sich von den vielen Dortmundern etwas die Schneid abkaufen, auf und neben dem Platz.

 

(c) Johannes Hauser
(c) Johannes Hauser

Fazit

Die Allianz Arena ist einen Besuch wert. Eine gute Infrastruktur inklusive toller Gastronomie und ein meist sehr attraktives Spiel mit guter Stimmung sind den Ticketpreis auf jeden Fall wert. Sollte man nicht mit dem Bus anreisen, ist die Fahrt mit der U-Bahn zu empfehlen. Die Parkplätze am Nordfriedhof mit der gleichnamigen U-Bahn Station sind hierfür ein Geheimtipp. Für Nicht-(Fanclub)Mitglieder ist es aktuell noch schwer, Karten zu bekommen, erst in mehreren Jahren könnte sich daran etwas ändern.

 


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