Arsenal London (Emirates Stadium)

Groundhopping bei den "Gunners"

Es ist der 21. Mai 2017, die letzte Runde der englischen Premier League steht an. Von meinem Appartement nahe der Blackhorse Road geht es um 10 Uhr früh mit der Victoria Line Richtung Süden, bei Finsbury Park wird in die Piccadily Line gewechselt und noch eine Station weiter gefahren. Nach Arsenal, der einzigen Tube-Station in London, die nach einem Fußballverein benannt wurde, so sollte ich später erfahren. Dort angekommen sind es nur mehr wenige Fußminuten, flankiert von „Merchandising-Standln“ in der Aufbauphase, bis zum Highbury House. Highbury? Ja, der Name sagt sogar mir als Jungspund noch etwas, bis 2006 trug der FC Arsenal im Arsenal Stadium knapp 100 Jahre lang seine Heimspiele aus, bis man ins Emirates Stadium übersiedelte.

 

Zu diesem gelangt man über die berühmte Ken Friar Bridge, welche man im Jahr 2011 ihm zu Ehren benannte. Mir bleibt noch genug Zeit, das imposante Stadion zu umrunden, denn meine Match-Day-Tour, welche ich schon von daheim aus gebucht hatte, startet erst kurz vor 11 Uhr.

 

Ich komme an der „North Bank Terrace“, geschmückt von Nachrichten von Fans aus der ganzen Welt, dem Arsenal-Museum und den Bronzestatuen von Herbert Chapman, Dennis Bergkamp, Tony Adams, Thierry Henry und co. vorbei, bis ich schlussendlich beim Fanshop unterhalb des Stadions ankomme. Während dieser Umrundung höre ich plötzlich: „Haha, Sturm Graz!“ Ja, es war wirklich zum Lachen. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass ich zur Feier des Tages adrett in meinem besten SK Sturm-Dress gekleidet bin, sondern auch, weil mein Herzensklub am selben Tag tatsächlich noch gegen den SK Rapid verlieren sollte.

 

 

Über wunderschöne Kacheln vor dem Eingang des Fanshops geht es dann in ebenjenen hinein – und ich komme aus dem Staunen nicht heraus! Von aktuellem Trikot-Sortiment, Streetwear, Spielen, Retro-Dressen bis hin zu Arsene Wenger-Wackelköpfen wird hier nichts ausgelassen! Ich schaue mich noch etwas um, dann beginnt auch schon die heiß erwartete Stadiontour. Nach einem kurzen Rucksack-Check steht die Gruppe auch schon in der Tiefgarage des Emirates-Stadiums. Die erste Station, lässt man die Parkplätze jetzt weg, ist der Eingangsbereich des Diamond Clubs, dessen Marmor-Innenleben vier Büsten der einflussreichsten Persönlichkeiten des Klubs zieren: Denis Hill-Wood, langjähriger Vorsitzender des Vereins, Herbert Chapman, unter dessen Führung Arsenal innerhalb von fünf Jahren vier Mal den Ligatitel einfahren konnte, Ken Friar, der dem Londoner Klub nun seit über 60 Jahren die Treue hält und zu guter Letzt Arsène Wenger, den man an dieser Stelle nicht näher beschreiben braucht.

 

Unser Tourguide führt uns die Stiegen hinauf und wir finden uns in einem wunderschön gedeckten Speisesaal wieder, den wir schnell durchqueren und um endlich den ersten Blick auf das Spielfeld zu ergattern. Von hier aus hat man wirklich den besten Blick auf das Spielgeschehen – und zugleich den billigsten, so wird uns erklärt. Diese Plätze sind nämlich nicht käuflich, wer das Privileg hat, Spiele des FC von hier aus mitzuverfolgen, der steht auf der Ehrenliste. Bevor es dann weitergeht, erfahren wir ein weiteres, pikantes Detail: Zu Ehren der Gastmannschaft werden seit jeher die Blumen im Eingangsbereich in deren Farben gehalten – und siehe da, beim Rausgehen salutieren uns blaue Blumen. Am Nachmittag zu Gast: Der FC Everton.

 

Vom günstigsten zum teuersten Bereich des ganzen Bauwerks – dem Diamond Club. Eine kleinere Version der berühmten „Clock von Highbury“, welche ja auch in das neue Stadion mitübernommen wurde, ziert den Eingangsbereich. Die Kellnerinnen und Kellner sind schon fleißig am Arbeiten, wie auch schon einen Stock tiefer – nur mehr wenige Stunden, dann kommen die ersten geladenen bzw. zahlungskräftigen Zuseher angerauscht. Linker Hand kann man eine Tafel mit den Zahlen „3133343538“ entdecken, gegenüber eine mit „30s Champions“-Gravur. Sie sollen an die glorreichen 30er-Jahre erinnern, in denen der Londoner Stadtklub fünf Titel einfahren konnte.

 

 

Anschließend geht es mit dem Lift, an dessen Türen legendäre Spieler in feinster Manier eingraviert wurden, hinunter in die Mixed-Zone. Dort sehen wir die Zeitkapsel des FC Arsenal, welche im Oktober 2004 beim Umzug in das damals neue Stadion verschlossen und eingesetzt und seit damals nie wieder geöffnet wurde. Im Inneren dieser metallenen Erinnerung: Eine Liste aller Spieler des Klubs bis zu diesem Zeitpunkt, ein Stück des alten Highbury-Rasens und auch Socken von Thierry Henry – vermutlich auch ein Grund, warum die Kapsel seit jeher verschlossen ist.  Am Spielertunnel vorbei geht es schließlich durch den Medienbereich hindurch wieder hinaus ins Stadioninnere.

 

Wir passieren den Pressebereich – dieser ist zwar groß, aber qualitativ gibt es sogar in Österreich weitaus bessere – und stehen plötzlich auf dem Grün nahe dem Spielfeld. Wir bekommen die Gelegenheit, auf Arsène Wengers Trainersessel Platz zu nehmen und die Hawk-Eye Torlinienkamera gezeigt. Ein wahrlich beeindruckendes Stadion, welches wir sogar im bereitesten Zustand zu sehen bekommen, just in diesem Moment werden nämlich die Linien am Grün gezogen.

 

Der letzte Punkt unserer Führung ist der Pressekonferenzraum, in welchem wir verabschiedet werden und wir gesagt bekommen, dass das Stadionmuseum noch ganze 15 Minuten geöffnet hat. Geil. Ich renne also los, einmal um das ganze Stadion (und das Emirates ist nicht die Untersberg-Arena) und zeige dort mein Ticket vor. „Keinen Stress“, meint der Dude dort, „wir haben eh noch lange auf!“ Völlig außer Puste schaue ich mir das Museum an – und bin begeistert. Wimpel, historische Dressen, Trophäen und alte Relikte, dort findet man alles, was das Fußballerherz begehrt. Sogar die Feuerlöscher sind aus Silber – naja, halt silbern, Silber klingt nunmal besser.

 

Nachdem ich ausgeschnauft habe, gehe ich wieder zurück in den Fanshop, hole mir meine Bestätigung, dass ich bei der Stadiontour teilgenommen habe (auf die ich ultramegastolz bin), einen Arsenal-Teddy und kaufe mir ein Retro-Trikot von 1991.

 

Das Match Arsenal London vs. Everton FC

Mit der Zeit verlasse ich dann das Stadiongelände, da ich mir vorgenommen habe, das Spiel um 15 Uhr in einem der umliegenden Pubs anzusehen (200 Pfund, die man online für ein Ticket hinlegt, waren mir selbst für das Erlebnis Premier League zu viel). Falsch gedacht – alles sperrt zu Spielbeginn zu und erst anschließend wieder auf. Aber ich soll doch einfach an der Stadionkassa fragen, ob nicht noch Restkarten zu haben sind. Mit wenig guter Hoffnung und mit noch weniger Geld im Börserl begebe ich mich also zurück zum Box Office.

 

„Entschuldigen Sie, hätten Sie eventuell noch Restkarten?“
„Wie viel Personen?“
„Nur ich!“
„Dann ja!“
„Ja?“
„Ja!“
„Ja.“
„…“
„Was wäre denn das Billigste?“
„…“
„…“
„50 Pfund.“
„…“
„…“
„Ok, her damit!“

 

 

Beim Kauf der Karten muss man im Übrigen seinen Ausweis vorzeigen als auch seine Adressdaten angeben. Ich, der ich mein Glück kaum fassen kann, gönne mir in voller Euphorie bei einem kleinen Burgerstand noch ein Fleischlaberl im Brot und ein Getränk und dann geht es auch schon ins Stadion – wieder einmal!

 

Auf meinem Sitzplatz angekommen bin ich absolut begeistert – für den hohen Rang, auf dem ich sitze, habe ich ausgezeichnete Sichtverhältnisse. Alkohol kann man sich bei der Stadiongastronomie, bei der man nur bargeldlos zahlen kann, zwar besorgen, auf die Ränge mitnehmen jedoch nicht. Ich brauche in diesem Moment aber ohnehin keinen, bin ich doch so schon aufgeregt genug! Langsam aber sicher füllt sich das große Stadion und die Aufstellungen werden verlesen. Der FC bietet tolles Rahmenprogramm, interviewt im Vorfeld der Partie jeweils ein Fan-Kind beider Mannschaften und hat auch die Minions eingeladen.

 

 

Dann startet endlich das Spiel! Arsenal dominiert von Beginn weg die Partie und geht früh durch Hector Bellerin in Führung. Die Stimmung ist sensationell, bei einem Sieg ist sogar noch der dritte Platz möglich. Nach einer halben Stunde stellt Publikumsliebling Alexis Sanchez auf 2:0. „Arsenal, Arsenal, Arsenal“ hallt es durch die Arena – traumhaft. Zur Pause gibt es wieder Programm, die Kinder dürfen gegen Dino-Maskottchen Gunnersaurus im Elfmeterschießen aus fünf Metern ran. In der zweiten Halbzeit verkürzt Romelu Lukaku aus tatsächlichen elf Metern, richtig gefährlich werden die Gäste jedoch nicht mehr. Den Schlusspunkt setzt Aaron Ramsay unmittelbar vor Ende der Partie.

 

Nach diesem 3:1 werden die Spieler gefeiert und diese bedanken sich beim Publikum für den tollen Support, auch wenn es alles in allem eine enttäuschende Saison für den FC Arsenal war. Zwar sollte man wenige Tage später den FA-Cup gewinnen, dennoch landet man in der Liga aufgrund der Siege des FC Liverpool und Manchester City nur auf Platz 5 und verpasst so zum ersten Mal seit Arsène Wengers Amtsantritt die Champions-League. Nun ja, wenigstens muss man sich im nächsten halben Jahr keine Witze über 4rsenal anhören – ein schwacher Trost.

 

Ein Bericht von Christian Albrecht


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