Derby della Madonnina - Mailand

 

Das "Derby della Madonnina" zählt auch heute noch zu den bedeutendsten Duellen der Fußballwelt. Bisher standen sich die beiden Klubs, der AC Milan und Inter Mailand, in rund 300 Spielen gegenüber. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Vereine zieht nach wie vor die Massen an und das, obwohl die Glanzzeiten beider Klubs doch schon einige Jahre zurückliegen. Hauptgrund für das anhaltende Interesse dürfte neben dem Hass, den die Anhängerschaften einander entgegenbringen, auch die vergangenen nationalen und internationalen Erfolge beider Vereine sein. Seit der Jahrtausendwende gelang es sowohl dem AC Mailand als auch Inter Mailand den „Henkelpott“, die UEFA-Champions League-Trophäe, in die Domstadt zu holen. Den Name „Derby della Madonnina“ verdankt das Duell der vergoldeten Madonnenstatue der Jungfrau Maria auf einer Spitze des Mailänder Doms, welche im Volksmund schlicht „La Madonnina“ genannt wird. Während es in Italien auch als Derby di Milano bezeichnet wird, ist im deutschsprachigen Raum vor allem die Bezeichnung Mailänder Derby verbreitet.

 

Die Geschichte des „Derby di Milano“

Bild (c) oscar (flickr)
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Das Duell um Mailand war schon immer etwas Besonderes, ist die Domstadt doch die einzige Stadt überhaupt mit zwei Gewinnern der UEFA Champions League. Schauplatz des Duells ist seit Jahrzehnten das berüchtigte, rund 80.000 Menschen fassende, „Guiseppe Meazza“-Stadion im Mailänder Stadtteil San Siro. Die Rivalität war von Beginn an gegeben und schaukelte sich im Verlaufe der Jahre immer weiter auf. Besonders brisant ist, dass in Mailand die Anhänger beider Klubs nicht nur auf bestimmte Gebiete verteilt sind, sondern sich diese über das gesamte Stadtgebiet verteilen. Die Gründung von Inter Mailand beruht auf der Abspaltung von Mitgliedern vom AC Mailand. Letzterer wurde am 16. Dezember 1899 ins Leben gerufen und nahm den Spielbetrieb unter dem Namen „Milan Cricket and Foot-Ball Club“ auf. Im März 1908 hatten einige Mitglieder des nationalistisch ausgerichteten Milan CFC genug davon, dass nur Italiener spielen durften. Sie spalteten sich vom Verein ab und gründeten ihren eigenen Verein — den „Football Club Internazionale Milano“. Internazionale sollte dabei die Offenheit des Vereins gegenüber ausländischen Spielern symbolisieren.

 

Der höchste Sieg im Mailänder Derby wurde am 13. März 1918 erzielt, als die „Rossoneri“ im Finale der ersten Coppa Mauro Inter mit 8:1 zerlegte. Bemerkenswert ist dabei, dass der AC in der 60. Minute erst mit 2:1 in Front lag. Die Anfangsjahre des Duells dominierten die Rot-Schwarzen, in den 1930er-Jahren gelang Inter jedoch die Wende. In diesem Zeitraum blieb man gegen den Erzrivalen in 17 aufeinander folgenden Derbys ungeschlagen — ein bis heute stehender Rekord. Doch nicht immer trat man gegeneinander an. Was schier unfassbar klingen mag, ist tatsächlich Realität: Fünf Freundschaftsspiele bestritten der AC Mailand und Inter Mailand als gemeinsames Team, mit dem passenden Vereinsnamen „MilanInter United“. Seine Premiere feierte dieses Team im November 1949 in einem Testspiel gegen den österreichischen Erstligaklub FK Austria Wien. Anlass war das 50-jährige Bestehen des AC Mailand. Die „Veilchen“ besiegten die Mailänder dabei sogar mit 4:3.

 

Die Glanzzeiten der Domstädter

Bild: (c) olaszmelo (flickr)
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Heutzutage wird sich kaum noch ein Fußballfan etwas unter der Bezeichnung „Grande Inter“ etwas vorstellen können. Es lässt sich jedoch erahnen, dass damit etwas Großes gemeint sein muss. „Grande Inter“ steht für die goldenen Zeiten Inter Mailands in den 1960er-Jahren unter der Führung von Präsident Angelo Moratti. Der damalige Trainer Helenio Herrera konnte mit dem ergebnisorientierten Spielsystem Catenaccio zahlreiche bedeutende Titel, darunter zwei Mal den Europapokal der Landesmeister und vier Meistertitel, einheimsen.

 

 

Aber auch die Rossoneri wurden einige Jahre vom Erfolg verwöhnt und waren 1963 sogar das erste italienische Team, dem der Gewinn des Europapokals der Landesmeister gelang. 1980 brach dann jedoch eines der dunkelsten Jahre in der Geschichte des AC Mailand an. Aufgrund des ligaübergreifenden Wettskandals „Totonero“ musste der Verein neben Lazio Rom in die Serie B zwangsabsteigen. Nach Auf- und Abstiegsjahren führte schließlich der Einstieg des Medienunternehmers Silvio Berlusconi im Jahr 1986 den Verein wieder in die Erfolgsspur zurück. Trainer Arrigo Sacchi konnte dabei auf ein bemerkenswertes Team, von den Fans „Gli Immortali“ — auf Deutsch "die Unsterblichen“ genannt, zurückgreifen. Die Abwehrreihe bestand zu diesem Zeitpunkt aus Spielern wie Franco Baresi, Paolo Maldini, Alessandro Costacurta und Mauro Tassotti. Diese „Unsterblichen“ holten 1989 und 1990 zwei Mal den Europapokal der Landesmeister, sowie jeweils ein Mal den Weltpokal und den UEFA Super Cup in die Domstadt. Zu dieser Zeit stand Inter trotz prominenter Spieler, wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann, im Schatten des Stadtrivalen. Auch in den Folgejahren konnte Inter dem AC trotz horrender Investitionen in den Kader, es wurden unter anderem Ronaldo und Diego Simone verpflichtet, nicht das Wasser reichen — den „Rossoneri“ gelang es mit einem Titel-Hattrick 1992, 1993 und 1994 den „Scudetto“ zu holen.

 

Bild: (c) Oscar (flickr)
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Mit der Jahrtausendwende weitete sich das Mailänder Derby auf internationale Ebene aus. In der UEFA-Champions League 2002/03 trafen die beiden Erzrivalen im Halbfinale (0:0, 1:1) aufeinander. Dank des „Auswärtstores“ im eigenen Stadion zog Milan ins Finale ein, welches mit Juventus Turin als Gegner in italienischer Hand blieb. In besagtem Finale setzte sich Milan durch und holte den „Henkelpott“ nach Norditalien. Auch im Viertelfinale der UEFA Champions League 2004/05 kam es zum Derby della Madonnina. Das Hinspiel entschied der AC mit 2:0 für sich, das Rückspiel wurde nach Spielabbruch aufgrund einer Bengalo-Attacke auf Milan-Goalie Dida mit 3:0 für die Rot-Schwarzen gewertet — ein erneuter Triumph über den Rivalen. 2006/07 gewann der AC Mailand erneut die Königsklasse im Finale gegen den FC Liverpool.

 

Die Folgejahre standen jedoch ganz im Zeichen von Inter Mailand. Wurde man 2006 wegen des großen Bestechungsskandals, in den auch der AC Milan involviert war, noch am grünen Tisch zum Meister gekürt, schafften es die „Nerazzurri“ 2007, 2008, 2009 und 2010 aus eigener Kraft vier Scudetti in Folge bejubeln zu können. Die Krönungen dieser Erfolgsserie waren der Sieg der UEFA Champions League 2010 in Madrid, der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2010 sowie der Coppa Italia 2010. In diesen Jahren hatte Inter Spieler, wie Zlatan Ibrahimovic, Luis Figo, Mario Balotelli, Hernán Crespo, Iván Córdoba, Adriano, Wesley Sneijder, Samuel Eto’o und Diego Milito in seinen Reihen. In der Saison 2010/11 konnte Milan vor Inter den Scudetto erobern, seither ist Juventus Turin unangefochtener Serienchampion.

 

Aus Rot-Schwarz mach’ Blau-Schwarz - oder umgekehrt!

Bild: (c) George M. Groutas (flickr)
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Paolo Maldini vom AC Milan und Javier Zanetti, vor wenigen Jahren noch Inter-Kapitän, halten mit 56 bzw. 47 Spielen die meisten Derby-Einsätze. Andrij Schewtschenko gilt als Rekordtorschütze des Derby della Madonnina mit 14 Treffern. 13 Tore gelangen, dem für beide Vereine tätig gewesenen, Giuseppe Meazza. Ihm verdankt das Stadion in San Siro seinen Namen. Zu den bekanntesten Spielern, die für beide Vereine aufgelaufen sind, zählen neben Meazza unter anderem Andrea Pirlo, Ronaldo, Clarence Seedorf, Mario Balotelli, Zlatan Ibrahimovic und Edgar Davids. „Ibrakadabra“ und Ronaldo waren die einzigen dieser Spieler, die in einem Derby gegen ihren Ex-Klub getroffen haben.

 

 

Seit mehreren Jahren steht die italienische Serie A ganz im Zeichen von Juventus Turin. Die beiden Mailänder Klubs hatten in der Vergangenheit oft Probleme, überhaupt um das europäische Geschäft mitzuspielen. Inter schaffte es zwar in den letzten Jahren, sich zwischen den Rängen 3 und 6 zu etablieren, Konkurrenz für Ligakrösus „Juve“ war man jedoch keine. Dem nicht genug, musste sowohl die „Rossoneri“ als auch die „Nerazzurri“ hinnehmen, dass auch der SSC Napoli und AS Roma nur schwer abzufangen waren.

 

Neue Saison, neues Glück: In diese Spielzeit ist vor allem der AC Milan furios gestartet und war bisher vorne mit dabei. Nach dem Höhenflug durch einen Heimsieg über Primus Juventus Turin folgte am 20. November im Mailänder Derby ein 2:2-Remis. Inter gelang in der Nachspielzeit der späte Ausgleich.

 

Ein Bericht von Roman Wagner


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