Das Geld und der Fußball: RB Leipzig

Aufsteiger, Bayern-Jäger Nummer eins, eine Stadionauslastung von über 96 Prozent und das alles mit einer jungen Truppe. Klingt sympathisch, oder? Wäre da nicht der Hauptsponsor, der dem Verein viele Kritiker in der ganzen Fußballwelt beschert: Dietrich Mateschitz will mit Leipzig schaffen, was ihm mit Salzburg bisher nicht gelungen ist: den Einzug in die Champions League.

Die Red Bull Arena, ehemals Zentralstadion, in Leipzig | Bild: (c) philipp (flickr)
Die Red Bull Arena, ehemals Zentralstadion, in Leipzig | Bild: (c) philipp (flickr)

Der Werdegang

Der Verein wurde 2009 nach Übernahmeversuchen in der zweiten Bundesliga (Düsseldorf, St.Pauli und 1860 München) gegründet und stieg durch den Erwerb des Startrechts vom SSV Markranstädt in die Oberliga ein. Weil der Markenname Red Bull laut DFB nicht im Vereinsnamen vorkommen darf, wurde der Verein „RasenBallsport Leipzig“ genannt.

 

Ralf Rangnick | Bild: (c) Thomas Rodenbücher / flickr
Ralf Rangnick | Bild: (c) Thomas Rodenbücher / flickr

Auch das Logo wurde leicht verändert, die Intention war und ist aber nach wie vor offensichtlich. Auf den direkten Aufstieg in die Regionalliga folgten zwei erfolglose Jahre, mit dem Engagement von Alexander Zorniger und Ralf Rangnick gelang aber der Durchmarsch in die zweite Bundesliga. Nach einer enttäuschenden Hinrunde wurde Zorniger mit Saisonende entlassen, im Februar 2015 trat er dann aber selbst zurück. Rangnick übernahm und führte das Team auf den 5. Platz. In der Folgesaison 2015/2016 gelang dem Klub unter Rangnick der zweite Rang und der damit verbundene Aufstieg. Um sich wieder voll seinem Sportdirektor-Posten zu widmen, holte Ralf Rangnick vor der ersten Bundesligasaison den Österreicher Ralph Hasenhüttl vom FC Ingolstadt, der sein Team ab nun ein extrem druckvolles Pressing und ein schnelles, modernes Direktspiel praktizieren ließ. Rund um Sommerneuzugänge wie Timo Werner (VFB Stuttgart), Naby Keita (RB Salzburg) und Bernardo (ebenfalls RB Salzburg) entstand ein Team, welches in der Hinrunde nur 2 Niederlagen einstecken musste.

 

Der Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttel | Bild: (c) Thomas Rodenböcher / flickr
Der Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttel | Bild: (c) Thomas Rodenböcher / flickr

Die Probleme

Vor allem die mögliche Champions League-Sperre sorgte Anfang 2017 für großen Aufruhr. Weil nur ein Verein eines Geldgebers in einem internationalen Bewerb teilnehmen darf, könnte es zu Differenzen innerhalb des Red Bull Imperiums kommen. Da Salzburg für eine CL-Qualifikation Meister werden müsste und Leipzig an Bayern München wohl nicht mehr vorbeikommt, würde Salzburg aufgrund der besseren nationalen Platzierung das Startrecht in der CL-Quali besitzen. Der Verein aus der Mozartstadt ist mittlerweile formal nur noch durch einen gewöhnlichen Hauptsponsorenvertrag mit Red Bull verbunden, was den Weg für beide Vereine ebnen würde. Außerdem ist der Anteil des Konzerngeldes wegen der hohen Transfererlöse der letzten Jahre auf unter 30% gesunken, was ebenfalls als mögliche Begründung für ein Antreten beider Vereine aufgekommen ist. Ironischerweise kamen aber seit 2010 mehr als ein Drittel der Transfereinnahmen vom Schwesternverein in Leipzig.

 

Für negatives Aufsehen sorgten viele Gegner der Leipziger, genauer gesagt die Fans dieser Mannschaften. Die fehlende Fankultur, das Umgehen verschiedener Regelungen durch kleinere

Spielereien (Name, Trikots, Logo) und das riesige Budget des Investors stoßen auf viele Kritiker, in und um die Stadien wird diese Kritik aber meistens sehr niveaulos dargebracht. Negativer Höhepunkt waren die Angriffe von Dortmunder Fans auf Leipziger Fans, unter denen auch viele „Normalos“ waren, besonders auch Kinder und Frauen, die von Hooligans attackiert wurden. Aber auch Burnout- und Selbstmordaufforderungen in Richtung Ralf Rangnick in Berliner und Dortmunder Fanblocks und Hitlervergleiche in Aue sind unverständlich und dumm.

 

 

Die Zusammenarbeit

Ein großer Vorteil von RB Leipzig, deswegen auch großer Kritikpunkt der Gegner, ist die Zusammenarbeit innerhalb der Red Bull-Fußballvereine. Zur Winterpause 2016/17 standen im Kader der Sachsen sieben ehemalige Spieler von Red Bull Salzburg, der Brasilianer Bernardo kam aus der heimischen RB-Akademie nach Österreich. Für große Aufregung sorgte der Transfer von Marcel Sabitzer, an dem die Mozartstädter Interesse zeigten. Weil sein damaliger Verein, der SK Rapid Wien, eine Ausstiegsklausel für das Ausland im Vertrag verankert hatte, verpflichtete ihn RB Leipzig und verlieh ihn sofort nach Salzburg. Durch den damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick, der bei beiden Vereinen die Posten innehatte, war ein solcher Deal leicht zu realisieren. Bestraft wurde dieses Vergehen nicht. Inzwischen haben sowohl Rangnick als auch Sabitzer erklärt, dass sie den Transfer wohl nicht nochmal so durchziehen würden.

 

Die Red Bull Arena, Heimstätte vom FC Red Bull Salzburg. | Bild: (c) pixabay
Die Red Bull Arena, Heimstätte vom FC Red Bull Salzburg. | Bild: (c) pixabay

 

Mittlerweile gibt es aber vor allem bei den Fans, aber auch bei den Funktionären des österreichischen Klubs Widerstand gegen das Vorgehen innerhalb der Fußballabteilung des Konzerns, da Leipzig mittlerweile einen deutlich höheren Stellenwert hat. Salzburg ist oftmals nur noch der Ausbildungsverein, der aber trotzdem die Liga dominiert und mit dem Zweitligisten FC Liefering seinen eigenen Ausbildungsverein hat. RBS-Trainer Oscar Garcia fand bereits deutliche Worte und sagte, dass Salzburg zu einem „besseren Ausbildungsverein“ verkomme.

 

Man kann von RB Leipzig halten was man will, Fakt ist, dass die Mannschaft zur Zeit einen der attraktivsten Spielstile in Europa pflegt. Natürlich hilft dem Klub dabei ein großes Netzwerk vieler anderer Vereine, in die von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz hohe Summen gepumpt werden. Ein härteres Durchgreifen der Verbände wäre dabei oft wünschenswert, um die Fairness im Sport zu erhalten und Schlupflöcher, wie den Transfer von Sabitzer zu verhindern. Dennoch muss RB zu Gute gehalten werden, dass sie die zu Verfügung stehenden Summen geschickt einsetzen. Sei es nun in hochmoderne Trainingszentren mit eigener Indoor-Laufbahn, auf der sogar Usain Bolt trainieren will, Jugendförderung oder talentierte Spieler. Rangnick nutzt die bestehenden Möglichkeiten voll aus und ist damit erfolgreich. Dass die Region Leipzig einen Erstligisten verdient hat, steht außer Frage. Wie dieser Erstligist entstanden ist, darf und muss hinterfragt werden. Im Endeffekt ist RB Leipzig der Albtraum eines jeden Fußballromantikers, aber vielleicht die logische Folge der Entwicklung im modernen Fußball, in dem der Sport an sich immer mehr zur Nebensache wird.

Ein Bericht von Johannes Hauser


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