Die ehrenwerte Familie Pozzo

Der Beginn eines Imperiums

Udinese Calcio blickt zurück auf eine lange Tradition, ohne dabei große Erfolge aufweisen zu können. Beheimatet im 100.000 Einwohner Städtchen Udinese spielt man im 25.000 Zuschauer fassenden Stadion Friaul, welches seit seiner 50 Millionen teuren Renovierung im Jahr 2016 Dacia-Arena heißt.

 

Udinese war ein Verein der immer zwischen der Obersten und den beiden Unteren Ligen Italien hin- und herpendelte. Dies sollte sich erst durch den Einstieg der Industriellen-Familie Pozzo ändern, die den Verein inmitten eines Wettskandals inklusive Punkteabzug und Abstiegs übernahm. Nach dem zu Beginn „klassisch ttalienisch“ gearbeitet wurde und es ständige Rotation am Trainerstuhl gab, beschloss Giampaolo Pozzo 1995, mit Alberto Zaccheroni einem Trainer langfristig das Vertrauen zu schenken. Und nachdem der Familienclan das erwirtschaftet Minus des Vereins jährlich aus privaten Mitteln ausgleichen musste, beschloss man ein völlig neues System aufzubauen. Udinese begann Spieler gewinnbringend zu verkaufen. An und für Sich keine allzu neue Idee, doch die Pozzo Familie perfektionierte dieses Geschäftsmodell. Udinese baute sich das Wohl beste Scouting-System der Welt auf.

 

Sie verfügen über 20 fix angestellte Scouts und mehr als doppelt so viele die regelmäßige Berichte abgeben. Alleine die Spieler Helveg, Bierhoff und Amoroso spülten in den ersten Jahren des neuen "Systems" knapp 50 Millionen Euro in die Vereinskassa.

 

Vor allem, da sie mit den ganz großen Namen der Fußballwelt finanziell nicht mithalten können, spezialisierten sie sich auf „kleiner Länder“ anstelle von Brasilien und Argentinien, suchten sie in Chile und Kolumbien. Während halb Europa Alexandre Pato verpflichten wollte und schließlich der AC Milan 22 Millionen abdrückte, verpflichteten die Italiener einen gewissen Alexis Sanchez für gerade mal 2 Millionen.

 

Pozzo sagte einst in einem Interview „Wenn Chelsea, Real oder Manchester United einen Spieler kauft, dann kennen wir den schon lange“.

 

Überall auf der Welt werden Spieler günstig gekauft, weiterverliehen und bei Möglichkeit teuer weiterverkauft. Der Kader von Udinese umfasst mitunter über 100!!! Spieler.

 

Expansion

Irgendwann war Udinese zu kleine für das „System Pozzo“. Und da die Familie durch ihr Unternehmen (Holzverarbeitungsmaschinen welche vornehmlich in Italien und Spanien verkauft wurden) gute Kontakte auf die Iberische Halbinsel hatte wollte man dort einen zweiten Verein übernehmen. Der Versuch Espanyol Barcelona zu bekommen scheiterte zwar doch mit der Hilfe des früheren Unterliga-Spielers Quique Pina konnte man sich schließlich 2009 den FC Granada unter den Nagel reißen.

 

Pina übernahm Granada als Stadthalter für die Pozzos und führte sie,2011 nach 35 Jahren, mit Hilfe einer Armada von Leihspielern des Mutterclubs in die La Liga. Nun war es noch einfacher das Geschäftsmodell umzusetzen da man in zwei der großen Ligen Teams hatte und noch dazu in Spanien Spieler bereits nach zwei Jahren einen Europäischen Pass bekommen, was das weiterverkaufen erheblich erleichtert. Auch wenn Granada nach dieser Saison wieder den Gang in die Segunda Division antreten muss wird dies dem Imperium wohl keinen allzu großen Dämpfer verpassen. Der direkte Wiederaufstieg ist angepeilt, und über genügend Spielermaterial verfügt man ja ohnehin bereits.

 

Das einzige was der Pozzo Familie nun noch fehlte war ein Club mit einer Stadt im Rücken welche weiter Talente anzieht. Dies fand man,2012, in England mit dem FC Watford, welcher gerade mal 20 Kilometer von der Supermetropole London entfernt ist. Auch hier gab es ein reges Spieler hin und her Geschiebe welches es auch den „Hornets“ ermöglichte 2015 nach 8 jähriger Abstinenz wieder erstklassig zu Spielen.

 

Durch sein intelligentes Geschäftsmodell und der aufgebauten Infrastruktur war es Giampaolo Pozzo möglich mit mittelständischen Vereinen ein einzigartiges Fußballimperium aufzubauen welches nicht nur finanziell extrem Erfolgreich ist sondern es auch weltweit, talentierten Spielern, ermöglicht in Europa Fuß zu fassen. Schließlich gibt es keinen Club in Italien der in Spieler zwischen 17 und 23 mehr Geld investiert als Udinese. Und die jungen Spieler wissen, stehen sie erst einamal bei Pozzo unter Vertrag können sie ihn nahe zu jeder Großen Liga spielen ohne den Verein verlassen zu müssen. Einer großen Karriere steht nichts mehr im Wege.

 

Auch für die Vereine selbst bedeutet dies ein gesichertes Leben. Denn in Zeiten wo das Geld nur so in

die „großen Clubs“ hineingepumpt wird ist dies wohl die beste Methode um als Mittelständischer Verein nicht nur zu überleben, sondern auch Konkurrenzfähig zu bleiben.