Cardiff City

2010 übernahm der Malaysische Geschäftsmann Vincent Tan den walisischen Club Cardiff City und pumpte rund 125 Millionen Euro in den Verein, um ihn nach 51 Jahren Abstinenz wieder in die Erstklassigkeit zu befördern. In den ersten drei Anläufen scheiterte Cardiff noch in den Playoffs, doch 2013 gelang es ihnen in die Premier League aufzusteigen.

 

Doch war der Gönner Vincent Tan ein großer Fußballfan oder doch eher ein Geschäftsmann? Zumindest hielt er wohl nicht all zu viel von Traditionen. Seit der Gründung 1899 als die „Bluebirds“ bekannt hatte der Verein die blaue Schwalbe auch immer im Wappen. Die Trikots waren traditionell Blau. Das änderte sich unter der malaysischen Führung. Zwar war die Schwalbe noch im Wappen vertreten, über ihr ragte allerdings ein riesiger, roter, asiatisch-wirkender Drache. Auch die Farbe der Trikots wurde auf rot geändert, da laut Angaben Vincent Tans, Trikots dieser Farbe in Asien besser zu vermarkten seien, da rot in Fernost Glück symbolisierte.

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Cardiff City mit Trikots in der "Farbe des Glücks" | Foto (c) flickr | jon candy

 

All dies verärgerte die Fans des waliser Traditionsvereins logischerweise immens. Proteste über den Ausverkauf der eigenen Identität blieben nicht aus. Auch sportlich lief es nicht all zu rosig. Die erste Saison im Oberhaus war auch gleich wieder die letzte. Als Tabellenschlusslicht ging der Weg wieder einen Stock tiefer in die Championship.

 

In der Saison 14/15 reichte es gerade mal zum Tabellenmittelfeld als 11. Auch im Umfeld wurde 2015 einiges verbessert. Vincent Tan lenkte gegenüber der Fans ein und änderte das Wappen abermals. Zwar verschwand der rote Drache nicht vollends, allerdings rückte er eindeutig in den Hintergrund und die klassische blaue Schwalbe wurde wieder zum zentralen Symbol. Auch durfte die Mannschaft in ihren Heimspielen wieder im traditionellen Blau einlaufen und nur die Auswärtstrikots hatten noch die "Farbe des Glücks“.

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Cardiff City in den traditionellen blauen Vereinsfarben | Foto (c) flickr | jon candy

 

Womöglich gelingt es dem Team aus Cardiff ja in einem homogenen Zusammenspiel zwischen der eigenen Identität und den Vorstellung des „Big Spenders“ eine zweite walisische Kraft in der Premier League, neben dem großen Rivalen Swansea City zu werden.

 

Diese Geschichte zeigt uns wieder mal mit wie viel Vorsicht Investoren zu genießen sind. Natürlich bringen sie viele Vorteile für einen Club und deren Infrastruktur, da mit Geld nun mal alles einfacher ist. Aber es besteht immer die Gefahr, dass ein Verein ausgeschlachtet wird und nur mehr Umsätze als wichtig befunden werden.

 

Auch hier muss man zwischen Fußballbegeisterten Millionären und Geschäftsmännern unterscheiden, die aus reiner Geldgier und aus Werbegründen in Traditionsvereine investieren. Fakt ist, dass Fußball nun mal meist vom Geld regiert wird. Fußballwunder wie Leicester City sind herrliche Ausnahmen, vor allem in wahnwitzigen Zeiten, in denen wahre Unsummen für Spieler ausgegeben werden, teilweise für Talente die sich noch nicht mal über mehrere Saisons bewiesen haben.

 

Solange niemand eine Lösung für diese große Problematik findet und einheitliche Regelungen in Puncto Ablöse und Gehaltsobergrenze durchgesetzt werden, wird kein Verein auf den lockeren Geldbeutel eines Investors verzichten können oder wollen. Doch kann dies immer zur Zerstörung von Traditionen führen, die über Jahrzehnte aufgebaut und gelebt wurden. 

 

"If you dance with the devil, you don't change him, the devil changes you."

 

Ein Bericht von Christian Scheucher

 

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Cardiff City gegen West Bromwich Albion | Foto (c) flickr | jon candy

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