Steven Gerrard

Steven Gerrard - einer der größten Legenden des englischen Fußballs | Bild: (c) terceroinf fmiralcamp (flickr)
Steven Gerrard - einer der größten Legenden des englischen Fußballs | Bild: (c) terceroinf fmiralcamp (flickr)

Im April 1989 starb Jon-Paul Gilhooley, zusammen mit 95 weiteren Menschen, bei der Hillsborough-Katastrophe. Die Gedenktafel vor der Anfield Road erinnert an diese schreckliche Tragödie. Doch aus der Familie von Gilhooley kam ein Junge hervor, der im Liverpool zur Legende werden sollte: Sein Cousin Steven George Gerrard, der damals als Neunjähriger in die Jugendabteilung der Reds wechselte.

 

Gerrard kommt aus Whiston, einem Vorort von Liverpool und ist seit 1989 eng mit dem Verein verbunden – es ist von Anfang bis Ende eine emotionale Bindung. 1998 bekam er als 18-Jähriger seinen ersten Profivertrag und gibt am 15. Spieltag beim 2:0-Sieg gegen die Blackburn Rovers sein Debüt. Es folgten 709 weitere Einsätze für die Reds, Gerrard wurde zum Kapitän, zum Idol, zur Legende.

 

 

 

Unvergessen ist sein wichtiges Tor im Finale der Champions League 2005 in Istanbul gegen den AC Mailand. Zur Halbzeit lag Liverpool mit 0:3 zurück. Doch der Kapitän ging beispielhaft voran, peitschte seine Mannschaft nach vorne und erzielt mit einem schönen Schuss in der 54. Minute den Anschlusstreffer. Nur sechs Minuten später holte er den Elfmeter heraus, der zum 3:3-Ausgleich verwandelt wurde. Die Engländer schlagen die Italiener in der Lotterie vom Punkt und krönen sich zum Champion Europas.

 

Es ist einer der wenigen Titel, die Gerrard mit dem Reds einfuhr. Er konnte nie eine Meisterschaft gewinnen, was die gegnerischen Fans oft zu spöttischen Gesängen anregte. Zwei Pokalsiege, drei Ligapokalsiege sowie je einmal den UEFA Cup und die Champions League stehen am Ende zu Buche. Am 24. Mai 2015 war Schluss: Stevie G. macht gegen Stoke City sein letztes Spiel für die Reds. Er wechselt in die USA, um bei LA Galaxy seine Karriere ausklingen zu lassen. Dabei hat er sein Feuer nicht verloren. Allerdings könnte er es sich nicht vorstellen für einen anderen englischen Klub aufzulaufen. Eine Sache, die ihn von anderen großen Spielern abhebt. Er ist einer der letzten loyalen Profis, die lieber den Kontinent wechseln als für einen Konkurrenten aufzulaufen.

 

Steven Gerrard im Zweikampf mit Roy Keane | Bild: (c) world_pictures77 (flickr)
Steven Gerrard im Zweikampf mit Roy Keane | Bild: (c) world_pictures77 (flickr)

 

Die Liverpool-Fans danken es ihm, er ist zur Legende geworden, zu einem beispielhaften Vorbild, das man in der heutigen modernen und kalten Fußballwelt ohne Kanten nur noch selten findet. Nun im Dezember 2016 läuft sein Vertrag in den USA aus. Er wird seine Karriere beenden, obwohl angeblich Angebote von Celtic und aus Italien vorlagen. Einen Trainerposten bei MK Dons, einem Verein, der 2004 aus dem FC Wimbledon hervorging, lehnte er ab. Es hätte auch nicht gepasst, wenn Gerrard, der die alten Werte des Fußballs verkörpert, sich diesem Verein angeschlossen hätte.

 

 

 

Stattdessen steht eine Rückkehr im Raum – in seine Heimat, zu seinem Klub, zum FC Liverpool. Trainer Jürgen Klopp kann die Fragen schon nicht mehr hören. Doch die Aussagen sind in den letzten Tagen schon konkreter geworden: „Die Tür ist für ihn immer offen. Wenn er will, spricht nichts dagegen, dass er eine große Karriere abseits des Platzes machen kann und wir wollen ihm dabei helfen. Es ist klar, dass irgendwann etwas zu verkünden sein wird (was Gerrard betrifft, Anm. d. Red.). Anscheinend kann niemand den Moment erwarten“, so der ehemalige BVB-Trainer gegenüber dem Telegraph.

 

Es wäre ein modernes Fußball-Märchen. Der Kapitän könnte nach Hause zurückkehren, um erneut zur Legende zu werden. Wie heißt es so schön in Liverpool: „You’ll never walk alone“.

 

 

In diesem Sinne: DANKE STEVEN GERRARD