Rivaldo - ein Fußballmärchen

Es war ein steiniger Weg, den Rivaldo Vitor Borba Ferreira in seiner Karriere zurücklegen musste. Alles begann 1972 mit einem kleinen Jungen, der in einer Favela in Paulista nahe Recife geboren wurde. Wegen Unterernährung fielen ihm in seiner Jugend bereits die Zähne aus. Er hatte O-Beine und an einen kommende Profi-Fußballer, der die Zuschauer im Camp Nou entzücken sollte, war nicht zu denken.

 

Mit 16 Jahren verlor Rivaldo seinen Vater Romildo bei einem Autounfall. Er wollte aber unbedingt Fußball spielen. Jugendtrainer trauten dem Jungen mit den O-Beinen den Sprung nicht zu. Dennoch unterschrieb er mit 19 Jahren seinen ersten Profivertrag beim Paulistano FC. Ab da ging es schnell aufwärts. 1993 holte ihn der brasilianische Top-Klub Corinthians nach Sao Paulo. Sein absoluter Durchbruch in Südamerika kam dann bei Palmeiras, wo er sich erstmal für Europa interessant machte. 1996 schlug Deportivo La Coruna zu und zahlte umgerechnet 12 Millionen Euro für den jungen Spielmacher. Mit 21 Toren in 41 Spielen hatte sich dieser Transfer gelohnt. Rivaldos Triumphzug war damals aber erst am Anfang.

 

 

 

 

1997 holte ihn der große FC Barcelona für umgerechnet 23,5 Millionen Euro nach Katalonien. Nun konnte er neben anderen Weltstars zaubern und seine Technik einem weltweiten Publikum demonstrieren. Unvergessen ist sein Fallrückzieher von der Strafraumkante gegen den FC Valencia. Fünf Jahre glänzte er für Blaugrana – 111 Tore in 203 Spielen sollten deutlich genug belegen, dass er einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. „Er ist ein Spieler, den die Menschen mögen“, sagte der ehemalige Barca-Trainer Sir Bobby Robson. 1999 wurde Rivaldo zum Weltfußballer gekürt. Mit Barca wurde er zweimal Meister und gewann den UEFA Supercup. Die Krönung war allerdings der Gewinn der Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft 2002.

 

Rivaldo (links) im Trikot der Seleção | Bild: l3o_ (flickr)
Rivaldo (links) im Trikot der Seleção | Bild: l3o_ (flickr)

 

Für ein kurzes Intermezzo ging es weiter zum AC Mailand, wo er eine Meisterschaft und einen Pokalsieg feiern durfte. Danach entschloss er sich zurück nach Brasilien zu gehen, Cruzeiro war der Verein seiner Wahl. Bis 2008 spielte er dann noch bei Olympiakos Piräus und AEK Athen in Griechenland. Es folgte eine Episode seiner Karriere, die unter der Kategorie „ehemaliger Weltstar, der nicht aufhören kann“ läuft. Denn er wechselte zu Bunyodkor nach Usbekistan. Unter Felipe Scolari sollte er die Usbeken zu einem Top-Klub machen. Das hat eher nicht geklappt, doch die Lust am Fußball ist ihm nicht vergangen.

 

Inzwischen war Rivaldo Präsident beim brasilianischen Klub Mogi Mirim, wohin er 2010 selbst wechselte. Auf Leihbasis spielte er noch einmal in der 1. Liga beim FC Sao Paulo. Es folgte ein kurzer Aufenthalt in Angola bei Kabuscorp und ein Intermezzo bei Sao Caetano. Mit 41 Jahren sollte 2014 endlich Schluss sein. Aber man geht nie so ganz – das trifft es bei Rivaldo sehr gut. 2015 gab er sein Comeback für Mogi Mirim, der Klub dem er selbst vorstand. Es hatte einen ganz besonderen Grund, denn Rivaldo war immer ein Spieler, der für besondere Momente zu haben war. Sei es nun ein Fallrückzieher von der Strafraumkante, ein Fernschuss aus 45 Metern oder eine unrühmliche (dennoch unvergessliche) Schwalbe an der Eckfahne. Im Juli 2015 lief er zusammen mit seinem Sohn Rivaldinho für Mogi Mirim auf. Und weil besondere Momente anscheinend in der Familie liegen, erzielten er und sein Junior beim 3:1-Sieg jeweils ein Tor.

 

Rivaldo war ein besonderer Spieler und fällt viel zu oft unter den Tisch, wenn es um Spieler geht, die heutige Generationen geprägt haben. Seine Karriere ist die wunderbare Geschichte eines unterernährten Jungen aus einer Favela, der sich seinen Traum erfüllte und am Ende mit seinem eigenen Sohn den krönenden Abschluss feiert. Es ist ein Märchen! Danke Rivaldo!

 

Matthias Schecklmann


Relevante Artikel:

Bild (c) flickr l3o_
Bild (c) flickr l3o_

Francesco Totti

Bild terceroinf fmiralcamp (flickr)
Bild terceroinf fmiralcamp (flickr)

Steven Gerrard

Bild (c) crystian cruz (flickr)
Bild (c) crystian cruz (flickr)

Alessandro Del Piero