Oliver Kahn - Der Titan

"Eier, wir brauchen Eier. Und Sie wissen was das heißt." Dieser Satz von Oliver Rolf Kahn blieb jedem Fan im Gedächtnis.Am 15. Juni des Jahres 1969 kam in Karlsruhe einer der ganz Großen des deutschen Fußballs zur Welt: Er bekam später in seiner Karriere den Beinamen "Titan".

Oliver Kahn bei seinem letzten Training | Bild: (c) Dirk Vorderstraße (flickr)
Oliver Kahn bei seinem letzten Training | Bild: (c) Dirk Vorderstraße (flickr)

Mit sechs Jahren begann seine Karriere als Jugendspieler seines Heimatclubs Karlsruher SC, wo er mit 18 in den Profikader befördert wurde. Im Jahr 1994 schlugen schließlich die Bayern zu und sicherten sich die Dienste des Badeners für die stolze Summe von umgerechnet etwa 2,3 Millionen Euro. Es sollte der endgültige Durchbruch für den Keeper werden.

 

Im Juni 1995 durfte er bei seinem Debüt als Nationalspieler unter Bundestrainer Berti Vogts gleich seinen ersten Sieg feiern, wobei er beim 2:1 Testspielsieg gegen die Schweiz einmal hinter sich greifen musste. Es sollten noch über 80 Einsätze im Team folgen, u.a. die legendären Auftritte bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, durch die er nicht nur zum Torwart, sondern auch zum Spieler des Turniers gewählt wurde. Am Ende mussten sich Deutschland und Kahn mit dem Titel 'Vize-Weltmeister' begnügen, jedoch stand er bereits 1996 im Kader der erfolgreichen deutschen Nationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft den Pokal erringen konnte, blieb aber ohne Einsatz. So durfte er dennoch über einen seinen einzigen Titel mit der Nationalelf jubeln. 2000 und 2001 wurde der "Titan" außerdem als Deutschlands Fußballer des Jahres ausgezeichnet und wurde gleich dreimal zum Welttorhüter gewählt.

 

Im Vorfeld der Heim-WM 2006, Kahns letztes großes Turnier mit der Nationalmannschaft, kam es zum erbitterten Kampf mit Jens Lehmann um den Stammplatz im Tor der Deutschen. Trainer Klinsmann wollte einen offenen Zweikampf um die Position und ließ rotieren, beide Spieler sowie der FC Bayern fordern jedoch eine Festlegung auf einen Stamm-Goalie. Nach einigen verbalen Duellen der Rivalen entschied sich der Trainer schlussendlich für Lehmann als Nummer 1 bei der Weltmeisterschaft, Kahn durfte jedoch beim Sieg gegen Portugal im Spiel um Platz 3 ran und machte damit sein letztes Länderspiel. Eine derartige Rivalität, wie jene zwischen Kahn und Lehmann, war im deutschen Nationalteam noch nie dagewesen.

 

Auch auf Vereinsbasis ging es für "Olli" steil bergauf. Zwar blieben die Bayern in der ersten Saison mit Kahn noch ohne Titel, doch bereits im zweiten Jahr durfte man zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den UEFA-Cup gen Himmel strecken, nachdem Girondins Bordeaux, bei denen unter anderem Zinedine Zidane sowie der spätere Münchner Bixente Lizarazu zum Einsatz kamen, in Hin- und Rückspiel bezwungen werden konnten. In beiden Spielen stand Kahn im Tor des FCB. Es folgten insgesamt acht Meistertitel und der sechsmalige Gewinn des DFB-Pokals.

 

Zur Tragödie entwickelte sich das Champions League-Finale 1999, an dem Kahn beteiligt war. 2001 gelang es schließlich doch noch, die CL-Trophäe zu erobern, wobei Kahn im Finale gegen Valencia zum

Held wurde, als er im Elfmeterschießen drei Strafstöße der Spanier entschärfen konnte. Unvergessen blieb seine Reaktion nach dem Spiel, als er anstatt zu jubeln den gegnerischen Torhüter Santiago Canizares in den Arm nahm. Im selben Jahr holten die Bayern noch den Weltpokal.

 

Kahn war auf wie abseits des Platzes bekannt und berüchtigt. Auf dem Feld durften unter anderem Heiko Herrlich und Stephane Chapuisat vom BVB besondere Bekanntschaft mit dem impulsiven Torhüter machen. Neben der Kung-Fu- und der Biss-Attacke musste er aber auch selbst einstecken: 2000 wurde er während eines Spiels gegen Freiburg von einem Golfball am Kopf getroffen, spielte die Partie mit blutverschmiertem Trikot zu Ende. Er trug keine bleibenden Schäden davon.

 

Auch seine markigen Sprüche wie "Eier, wir brauchen Eier" und "Das einzige Tier bei uns zu Hause bin ich." trugen zu seinem wilden Image bei.

 

Oliver Kahns Abschied | Bild: (c) Tsutomu Takasu (flickr)
Oliver Kahns Abschied | Bild: (c) Tsutomu Takasu (flickr)

Die Karriere des Torhüters ging 2008, nach 21 Jahren als Profi, davon allein 14 beim FC Bayern, zu Ende. Wie es sich für eine Legende gehört, wurde er mit einem Freundschaftsspiel zwischen dem FCB und dem Nationalteam gebührend verabschiedet. Heute kann der "Titan" Kahn auf eine lange, bewegte Karriere zurückblicken, und arbeitet unter anderem als Unternehmer und TV-Experte. Er war ohne Frage ein Spieler, der polarisierte.

 

 

Die Bayern-Fans liebten ihn, viele andere hatten eine tiefe Abneigung gegen den Ehrgeizling Kahn. Sportlich war er Weltklasse, das muss jeder ohne Zweifel anerkennen.

 

Ein Bericht von Patrick Lehofer


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