Carles Puyol im Portrait

Der FC Barcelona hat schon viele Legenden hervorgebracht. Xavi, Iniesta und Ronaldinho wurden und werden von den Fans im Camp Nou angehimmelt. Defensivspieler haben in der katalanischen Hauptstadt normalerweise nicht diesen Stellenwert. Doch einer konnte diesen teilweise sogar übertreffen: der langjährige Kapitän Carles Puyol.

 

Die legendäre Nummer 5 des FC Barcelona | Bild: (c) muammerokumus (flickr)
Die legendäre Nummer 5 des FC Barcelona | Bild: (c) muammerokumus (flickr)

 

 

1978 in einer kleinen Gemeinde in Katalonien geboren, spielte er erst als Teenager im heimischen Fussballverein, damals noch als Torwart. Als Offensivspieler wurde er 1995 zu Barça geholt, wo in La Masia seine Defensivqualitäten erkannt wurden. Trotz der Umschulung zum Innenverteidiger wurde er auch nach seinem Profidebüt 1999 unter Louis van Gaal immer wieder als Außenverteidiger eingesetzt. In der Saison 2001/2002 spielte er unter Carles Rexach noch 39 Spiele als rechter Verteidiger, nach dessen Entlassung wurde er in der darauffolgenden Saison als Innenverteidiger aufgeboten.

 

2004 wurde er zum Kapitän, was er für die nächsten 10 Jahre blieb. Puyol verbrachte seine gesamte Profikarriere bei den Katalanen, hat hinter Xavi und Iniesta die drittmeisten Spiele für den Verein, traf darin 19 Mal ins gegnerische Tor und konnte weitere neun Treffer vorbereiten. Carles Puyol konnte mit dem FC Barcelona dreimal die Champions League gewinnen, wurde sechsmal spanischer Meister und zweimal spanischer Pokalsieger. Außerdem konnte er mit dem Klub mehrmalig Titel wie den europäischen und den spanischen Supercup sowie die Klubweltmeisterschaft feiern. Nach 589 Wettbewerbsspielen beendete er 2014 seine Karriere. Er wechselte sofort in die Führungsetage von Barça als Assistent vom damaligen Sportdirektor Andoni Zubizarreta, allerdings nur für wenige Monate, denn mit der Entlassung Zubizarretas verließ auch Puyol den Klub. Mittlerweile ist er als "exklusiver" Spielerberater nur für BVB-Innenverteidiger Marc Bartra tätig. Auch in der Nationalmannschaft konnte der Lockenkopf viele Erfolge feiern. In seinen 100 Länderspielen für das A-Nationalteam Spaniens gewann er je einmal die Welt- und Europameisterschaft. Er kam dabei auf drei Tore.

 

 

 

Der Spieler Puyol zeichnete sich vor allem durch seinen enormen Kämpferwillen aus. Er war nicht besonders schnell oder passstark, allerdings konnte man sich immer auf ihn verlassen, auch wenn Not am Mann war und er auf einer anderen Position aushelfen musste. Mit 1,78m war er für einen Innenverteidiger verhältnismäßig klein, durch seine Sprungkraft hatte er dadurch aber nie einen Nachteil, sorgte bei Standardsituationen sogar für Gefahr. Sein Fairplaygedanke zeigte sich nicht nur in Gesten an Mit-und Gegenspielern, auch im Spielfluss kam er meisten ohne Fouls aus. In seiner gesamten Vereinskarriere brachte es die legendäre Nummer 5 von Barcelona auf nur drei Platzverweise. Er war ein extrem intelligenter Spieler mit einem guten Stellungsspiel und einem exzellenten Timing. Sein langjähriger Mitspieler Gerard Piqué berichtete von der außergewöhnlichen Professionalität Puyols. Auch bei drei Minuten Restspielzeit und einer hohen Führung habe er weiterhin seine Kollegen zur Konzentration gemahnt und sie zurück auf den Boden der Tatsachen geholt.

 

Carles Puyol ist für viele der Inbegriff von Respekt und Fairplay im modernen Fußball. In einer Zeit, in der manche Spieler das Fußballstadion als Theaterbühne missverstehen, ist eine Persönlichkeit wie Puyol zur Legende geworden. Er glänzte nie durch grandiose Pässe oder eine herausragende Torgefährlichkeit, vielmehr wurde er durch seine Führungsqualität und seine Verlässlichkeit zu einem der wichtigsten Spieler in der Geschichte des FC Barcelona.

 

Ein Bericht von Johannes Hauser


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