Interview Stefan Reiter

Der einstige Vorzeigeklub SV Ried machte in den letzten Monaten vor allem negativ Schlagzeilen: Schwache Leistungen spiegeln sich im letzten Tabellenrang und akuter Abstiegsgefahr wieder, der Deutsche Christian Benbennek wurde in unprofessionellster Art und Weise entlassen und der langjährige Manager Stefan Reiter vom unerfahrenen Franz Schiemer abgelöst. Mit Fussballwelt-Redakteur Johannes Hauser sprach Stefan Reiter über die finanzielle Situation bei Ried, Schwierigkeiten beim Nachwuchs und das Engagement von RedBull im Fußball.


Herr Reiter, Sie zählen zu den anerkanntesten Fußballfachmännern in Österreich. Was waren Ihre ersten Schritte in der Welt des Fußballs?

Ich war mit etwas knapp über 20 Jahre bereits Nachwuchstrainer und wurde mit 25 Jahren Sektionsleiter eines kleinen Amateurvereins.

 

Können Sie sich noch an Ihren ersten Matchbesuch erinnern?

Nein, ehrlich gesagt nicht.

 

Wie stellen Sie sich Ihre persönliche Zukunft nach dem Ende bei der SV Ried vor? Möchten Sie weiterhin als Sportdirektor tätig sein oder könnten Sie sich auch einen anderen Posten vorstellen, etwa beim Verband, oder im Ausland?

Ich bin eigentlich für alles offen.

 

Und eine Rückkehr zur SV Ried?

Das ist schwer zu beantworten. Einerseits hängt natürlich mein Herz an der SVR, andererseits…

 

Groß war die Verwunderung, als plötzlich Namen wie Ola Kamara, der in der vorhergehenden Saison 16 Scorerpunkte in Norwegen erzielen konnte, und Rafael Burgos bei der SV Ried unter Vertrag standen. Gab es bzw. gibt es noch weitere Spieler, die in dieses Transferkonzept fielen bzw. fallen?

Nein, es war eine Idee Erlöse zu erzielen – das ging bei Kamara ein wenig auf - wir haben es aber

dann doch gelassen.

 

Wer waren die Stürmer, an denen Sie im Winter interessiert waren, da wurde in der Presse ja viel spekuliert?

Es waren Yordy Reyna (ehem. RB Salzburg, jetzt Vancouver Whitecaps) und Smail Prevljak (RB

Salzburg).

 

Wen würden Sie als Ihre beste Verpflichtung bezeichnen?

Persönlich denke ich, dass es da einige Gute gab, aber ich möchte hier aber keinen hervorheben.

 

Die SV Ried, langjähriger Arbeitgeber von Manager Stefan Reiter | Bild: (c) gepa-pictures / tipp3
Die SV Ried, langjähriger Arbeitgeber von Manager Stefan Reiter | Bild: (c) gepa-pictures / tipp3

Sie waren ja auch an erfolgreichen Trainern interessiert, etwa an Markus Weinzierl und Marc Kienle. Hatten Sie mit ihnen nach den Verhandlungen noch einmal Kontakt?

Ja, hatte ich. Bei Markus Weinzierl (ehem. FC Augsburg, jetzt Schalke 04) ist der Kontakt aber leider

abgerissen.

 

Gab es mit Oliver Glasner und Michael Angerschmid noch Kontakt, nachdem deren Abgänge ja sehr unglücklich gelaufen sind?

Ja, natürlich. Besonders mit Oliver Glasner telefoniere ich ab und zu.

 

War Lassaad Chabbi in einem der beiden Töpfe, von denen Sie bei der Einstellung Benbenneks

gesprochen haben?

Nein, war er nicht.

 

Wieso haben Sie im Sommer 2016 dem Vorstand den Rücktritt angeboten?

Weil ich eine Entwicklung gesehen habe, die ich so nicht mittragen wollte. Erst nach diversen Gesprächen und einige schriftliche Zusagen, hab ich mich entschlossen weiterzuarbeiten.

 

Man hört, Herr Daxl habe vor ungefähr 2 Jahren den Verein vor dem Konkurs bewahrt. Wie prekär war damals die finanzielle Situation im Verein?

Nein, das stimmt so nicht. Es waren schwierige finanzielle Zeiten, die gab es aber eigentlich immer. Durch die Verkäufe von Thomas Murg (Anm. d. R.: für rund 700.000 Euro zu Rapid Wien) und Oliver Kragl (Anm. d. R.: für rund 400.000 Euro zu Frosinone Calcio) wurde aber alles gedeckt.

 

Ein Kritikpunkt bei Ihrer Entlassung war der fehlende Output der Akademie. Die Spieler dazu gab es aber, Denis Omic spielt sehr erfolgreich in den Nachwuchsteams des AS Roms, Elvir Hadzic hat beim FC Videoton einen Profivertrag unterschrieben. War es der Plan, diesen Spielern in nächster Zeit Einsätze bei den Amateuren oder gar bei den Profis zu geben?

Der Output der AKA wurde in den letzten Jahren immer schwieriger. Wir dürfen nicht übersehen, dass

es vor allem immer schwerer wurde die besten Talente (vor allem zwischen 12 und 14 Jahren) überhaupt nach Ried zu holen. Die Konkurrenz wurde hier übermächtig und wir können vor allem im Finanziellen nicht mithalten. Bei uns kostet die Ausbildung für die Eltern einfach Geld - wo anders eben nicht. Dasselbe gilt ja auch für die Amateurmannschaft: Bei uns bekommen die Jungs im Schnitt € 300.- p. Monat, wo anders sind sie Profis. Deshalb verlassen uns leider auch immer frühzeitig Spieler. Wir konnten nicht alle zu Profis machen.

 

Ist Red Bull Salzburg in der Jugendarbeit wirklich so ein großer Konkurrent, wie es oft dargestellt wird? Immerhin hat man in Ried sicher bessere Chancen in die Bundesligamannschaft zu kommen als in Salzburg, die aus einem internationalen Topf vieler, gut ausgebildeter, Jugendlicher schöpfen können.

Ja, das stimmt. Aber es ist einfach so. Die besten Talente aus Bayern wollen auch alle zum FC Bayern

und haben kaum eine Chance je dort zu spielen.

 

 

Nachdem Sie mittlerweile nicht mehr als „Verhandlungsgegner“ am Tisch sitzen, was würden Sie jungen, unerfahrenen Spielern raten?

„Seid nicht zu ungeduldig! Kein Verein oder Trainer wird einem jungen, talentierten Spieler die Chance

vermasseln. Wechselt nicht sofort! Besonders kleinere Bundesligavereine wie Ried geben dir die

Möglichkeiten.“

 

Wie sehen Sie das Engagement von Red Bull im Fußball?

RB hat unheimlich viel Positives für den Fußball geleistet. Ich beteilige mich auch nicht an Diskussionen wie: Was ist ein Kommerzverein? Das sind ja mittlerweile alle, so ehrlich muss man ohne

diverse Vereinsbrillen sein. Und was ist so schlecht daran?

 

Sitzen Sie noch im Bundesliga-Aufsichtsrat?

Ja, ich bin weiterhin Mitglied. Man wird dorthin als Person gewählt. Meine Funktionsperiode endet mit Dezember 2018. Ich mache das gerne und sehe mich auch weiterhin als Vertreter der sogenannten kleineren Vereine.

 

Sie waren ein großer Unterstützer der Ligareform. Die Vorteile wurden schon oft ausgeführt, sehen Sie auch Nachteile?

Es wird sicher Nachteile geben. Darüber können wir uns in drei Jahren unterhalten.

 

Welche Liga ist Ihrer Meinung nach die beste der Welt?

Die englische Premier League, deutsche Bundesliga, spanische Liga BBVA, Ligue 1 und die Serie A. Aber vergleichbar sind sie nicht.

 

 

Danke für Ihre Zeit und alles Gute für die Zukunft!

 

Das Interview führte Johannes Hauser.