Interview Julian Gressel (Atlanta United)

Julian Gressel ist seit dem 13. Januar 2017 einer der wenigen deutschen MLS-Legionäre. Im SuperDraft 2017 wählte ihn Atlanta United an achter Stelle. Eine große Wertschätzung für den jungen Deutschen, der nun die Chance bekommt seinen Traum Fußball-Profi zu werden, erfüllen will. Mit fussballwelt.at sprach er über seine Gründe in die USA zu gehen, die Zeit auf dem College in Providence und die Zukunft bei Atlanta United.

 

Auf in die MLS | (c) Julian Gressel
Auf in die MLS | (c) Julian Gressel

Hallo Julian! Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

 

Du kommst aus Bayern, Neustadt an der Aisch um genau zu sein. Wie kam es denn dazu, dass du 2013 in die USA gegangen bist?

 

„Ich wollte irgendwie Schule und Fußball vereinbaren. Da war der Weg in die USA die beste Lösung, weil ich dann nach den drei oder vier Jahren am College auch die Möglichkeit habe mit meinem Uni-Abschluss noch Profi zu werden und meinen Traum zu erfüllen. Ich wollte mich mit der Schule absichern, weil es ja im Profi-Fußball keine Garantie gibt. Das wäre in Deutschland nicht so einfach geworden.“

 

Wie hast du deine sportliche Zeit auf dem College erlebt, deine Statistik sieht ja sehr gut aus (83 Spiele, 30 Tore, 26 Assists)?

 

„Du hast vormittags Unterricht und kannst am Campus alles schnell erreichen. Innerhalb von zehn Minuten war ich am Fußballplatz. Nachmittags hatten wir dann Training und an Spieltagen war die Universität so freundlich, dass sie dich auch mal früher aus den Kursen lässt oder kommt dem Team auch entgegen bei Auswärtsspielen. Da sind wir auch schon einen Tag vorher gefahren bzw. geflogen."

 

Welchen Stellenwert hat College-Soccer im Gegensatz zu Football oder Basketball?

 

"Auf meinem College ist Fußball in den letzten Jahren sehr gewachsen, auch weil wir erfolgreich waren. Aber auch allgemein gewinnt der Sport immer mehr an Stellenwert in den USA. Es gibt viel mehr Interesse und viel mehr Zuschauer als früher. Vor allem bei meinem College habe ich gemerkt, dass die Euphorie in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat.“

 

Hast du die MLS verfolgt?

 

„Klar, vor allem in den letzten beiden Jahren. Da habe ich mit meinen Trainern beschlossen, dass ich es in der MLS probieren will. Es war schon interessant die Liga kennenzulernen und jetzt bin ich selbst ein Teil davon.“

 

Du hast in Deutschland in der Jugend der SpVgg Greuther Fürth und für Neustadt/Aisch sowie Eintracht Bamberg in der Landesliga bzw. Regionalliga gespielt. Welches Niveau hat denn der College-Fußball in den USA?

 

„Der Unterschied zwischen den College-Teams sind größer, weil viele Colleges nicht so viel in Fußball investieren. Die guten Colleges, die investieren und oben mitspielen, könnten schon in der Regionalliga mithalten. Man muss es sich ja vorstellen wie eine U23-Mannschaft.“

Wie hast du den Draft erlebt?

 

„Ich war ja einer der Glücklichen, die von der MLS eingeladen wurden. Heißt, ich habe zuvor schon einen Vertrag mit der MLS unterschrieben. Es war eine coole Sache, weil es ja in Los Angeles stattfand. Im Draft-Raum saßen dann eben alle Trainer und Manager der MLS-Teams, die College-Spieler sitzen in der Mitte. Du wartest dann bis dein Name gesagt wird und dich jemand nimmt. Die Stimmung war auch richtig cool mit den Fans in der Halle.

 

Du wurdest an #8 ausgewählt und bist damit unter den Top 10 College-Spielern in diesem Jahr. Hast du das erwartet und bist du zufrieden nun in Atlanta zu sein?

 

„Ich bin sehr zufrieden von Atlanta ausgewählt worden zu sein. Erwartet habe ich diese hohe Position nicht, aber schon darauf gehofft. Ich wusste, dass im Draft alles passieren kann.“

 

Du hast jetzt die Chance in der MLS Profi zu werden und gegen echte Stars zu spielen? Ist es ein Traum für dich?

 

„Ja, wir treffen am 1. Spieltag gleich auf die New York RedBulls, wo Bradley Wright-Phillips spielt. Ich freue mich auch auf den New York City FC mit Andrea Pirlo und David Villa. Das wird natürlich schon etwas Besonderes. Das sind natürlich Stars, die man seit der Kindheit verfolgt hat und jedes Wochenende im Fernsehen gesehen hat.“

 

Atlanta United ist der neue Klub. Seine beiden College-Trainer sind sehr stolz. | (c) Julian Gressel
Atlanta United ist der neue Klub. Seine beiden College-Trainer sind sehr stolz. | (c) Julian Gressel

Wie ist der Kontakt nach Deutschland? Wie oft kommst du in die Heimat?

 

 „Ich war in den letzten drei Jahren immer an Weihnachten und im Sommer zuhause. Eigentlich immer, wenn ich mal längere Zeit frei hatte. Ich habe auch noch Kontakt zu meinen ehemaligen Mitspielern, vor allem Kevin Kühnlein, mit dem ich in Bamberg gespielt habe. Aber auch zu meinen Kollegen von Neustadt/Aisch.

 

Was sagt deine Familie/Freunde zu deiner Entwicklung?

 

„Die finden es auch ganz klasse, weil ist kein Standart-Weg in den Profi-Fußball. Es ist viel neu für sie und eine Liga, die gerade noch wächst und noch nicht das Standing hat wie andere Ligen. Aber sie haben auch schon angekündigt mal in die USA zu fliegen und mich zu besuchen.“

 

Wie sieht die Zukunft jetzt aus? Was erwartest du?

 

„Ich will jetzt mal gut bei Atlanta reinkommen und will Fuß fassen. Versuchen viel zu spielen und es regelmäßig in den 18er-Kader an den Spieltagen zu schaffen. Ich will viel dazulernen und dann sehen wir weiter.“

 

Danke für das Interview Julian und viel Erfolg in Atlanta.

 

 

 

Das Interview führte Matthias Schecklmann