Interview Alex Mischenko (FK Orenburg)

Alexander Mischenko ist in der Winterpause 2016/17 vom deutschen Landesligisten Hertha Walheim in die erste russische Liga zum FK Orenburg gewechselt. Damit erfüllt er sich seinen Traum Profi zu werden. Allerdings war er noch gar nicht in Russland. Mit fussballwelt.at sprach Mischenko über den Wechsel nach Russland, die kirgisische Nationalmannschaft, die ersten Erfahrungen im Trainingslager und welche wichtige Rolle sein Jugendtrainer spielte.

Hallo Alex! Danke, dass du dir Zeit genommen hast.

 

Du bist im Wintertransferfenster von Hertha Walheim (Landesliga) zum FK Orenburg nach Russland gewechselt. Wie kam es denn dazu?

 

„Das ging alles richtig schnell. Ich habe in der U21-Nationalmannschaft von Kirgisistan gespielt und in den Partien gegen China und Tadschikistan habe ich wohl sehr gut gespielt. So wurden einige Teams auf mich aufmerksam. Ich habe mich dann mit meinem Berater zusammengesetzt und überlegt, welcher Verein passen würde. Wir sind dann zum Schluss gekommen, dass der FK Orenburg die beste Wahl für mich ist. Dann kam der Anruf, dass sie mich haben wollen und dann bin ich sofort ins Trainingslager nach Antalya nachgereist.“

 

Orenburg liegt in der Nähe der kasachischen Grenze. Kanntest du die Stadt oder den Verein schon vorher?

 

„Die Stadt war mir ein Begriff, aber der Verein nicht. Ich wusste auch zunächst nicht, dass sie Erstligist sind. Das kam dann alles bei den Gesprächen mit meinem Berater raus. Die Verantwortlichen haben mir dann das Konzept und die Ziele vorgestellt. Das hat mich angesprochen und deswegen bin ich gewechselt.“

 

Entdeckt wurdest du bei den Spielen für die kirgisische U21. Seit wann spielst du denn für Kirgisistan? Wie kam es dazu?

 

„Ich habe drei Jahre in der Jugend bei Borussia Mönchengladbach gespielt. Zu dieser Zeit kamen Scouts der russischen Nationalmannschaft auf meinen Vater zu. Sie wollten mich zu einem Lehrgang nach Russland einladen. Das ging allerdings nicht, weil ich in Kirgisistan und nicht in Russland geboren wurde. Über Umwege haben die Russen mich dann an Kirgisistan weitervermittelt. Letzten Sommer habe ich dann mein erstes Länderspiel gegen Tadschikistan (2:2) gemacht.“

 

Alex Mischenko (vorne, 2. v. r.) bei der kirgisischen U21-Nationalmannschaft | (c) Alex Mischenko
Alex Mischenko (vorne, 2. v. r.) bei der kirgisischen U21-Nationalmannschaft | (c) Alex Mischenko

Wie ist das Niveau in der Nationalmannschaft?

 

„Einige Spieler, die auch im Ausland spielen, heben sich natürlich ab. In Kirgisistan steht Fußball nicht an erster Stelle. Aber das Niveau in der Nationalmannschaft ist schon gut. Das merkt man auch, wenn man gegen bessere Nationalteams spielt. Es ist schon ein komplett anderes Niveau als zum Beispiel Landesliga.“

Du bist jetzt Profi in der ersten russischen Liga, ist es ein Traum der in Erfüllung geht?

 

„Ich konnte das in den ersten Tagen alles gar nicht realisieren. Ich habe viel im Internet gelesen, was so geschrieben wurde. Es wird in meinem Heimatort auch viel darüber geredet. Ich denke, dass ich es erst wirklich realisiere, wenn ich nach dem Trainingslager wieder ein paar Tage in Deutschland bei meiner Familie bin und es dann weiter nach Russland geht. Im Moment genieße ich es einfach zu trainieren und mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen. Ich kann viel von den älteren Spielern lernen und es macht mir momentan einfach großen Spaß.“

 

Mischenko im Trikot von Borussia Mönchengladbach | (c) Alex Mischenko
Mischenko im Trikot von Borussia Mönchengladbach | (c) Alex Mischenko

Du hast in der Jugend für Borussia Mönchengladbach gespielt, bist dann aber zu Walheim gewechselt. Dachtest du damals, dass es mit dem Profi werden nichts mehr wird?

 

„Ich habe dieses Ziel nie aus den Augen verloren. Mein damaliger Trainer Helge Hohl, mit dem ich mit der U17 des TSC Euskirchen in die Bundesliga aufgestiegen bin,  hat mir viel geholfen. Bei Gladbach habe ich dann in der letzten Zeit nicht viel gespielt und habe ein wenig den Spaß am Fußball verloren. Damals war der Tapetenwechsel für mich wichtig. Andere Leute in einem neuen Verein kennenlernen und da ich den Helge, der inzwischen Trainer bei Hertha Walheim geworden ist, schon lange kannte und wusste, dass er ein super Trainer ist und gute Arbeit leistet, bin ich nach Walheim gewechselt. Es war mir wichtig einige Schritte zurück zu gehen, neuen Anlauf zu nehmen und den Spaß wieder zu finden. Helge hat mir sehr dabei geholfen, mich neu zu motivieren und mein Ziel vom Profi nie aus den Augen zu verlieren. Ich wollte ab da wieder jeden Tag dafür arbeiten das doch noch zu schaffen, egal ob es nun im Ausland oder in Deutschland ist. Viel wichtiger war einfach den Sprung zum Profi zu schaffen. Für die Unterstützung bin ich Helge auch sehr dankbar, weil er ein Trainer ist, der lange an mich geglaubt hat und mir das Vertrauen geschenkt hat. Deswegen hat er auch einen großen Anteil daran, dass ich das jetzt geschafft habe.“

Orenburg steckt als Aufsteiger im Abstiegskampf. Im März geht die Rückrunde los. Wie siehst du die Chancen des Teams?

 

„Der Klassenerhalt ist natürlich das Ziel. Dafür trainieren wir jeden Tag. In der Rückrunde hatte das Team auch ein wenig Pech. Spiele unentschieden gespielt oder verloren, die man gewinnen hätte können. In den Testspielen können wir uns jetzt beweisen.“

 

 

Du sprichst die Testspiele im Trainingslager an. Hast du Einsatzzeiten bekommen?

 

„Seit ich hier bin, hatten wir drei Spiele und ich durfte auch spielen. Das Erste gewannen wir 5:0, gegen die Nationalmannschaft von Kasachstan haben wir ein 0:0 geholt und das Letzte haben wir gegen einen russischen Zweitligisten leider mit 1:2 verloren. Bei mir stimmt natürlich noch nicht alles, die Pass- und Laufwege zum Beispiel. Aber das kommt mit der Zeit.“

 

 

Wie siehst du deine Chancen auf Spielzeit? Oder wirst du erstmal im Nachwuchs, bist ja erst 19, aufgebaut?

 

„Ich bin noch jung und habe viel vor mir. Klar, sie haben mir gesagt, dass es schwer wird. Aber ich kann hier viel lernen, vor allem von den älteren Spielern. Man holt sich auch nach dem Training immer wieder Tipps ab und versucht immer besser zu werden. Es wäre auch kein Weltuntergang, wenn ich bis zum Sommer nicht so viel spielen würde. Für mich geht es darum mich weiterzuentwickeln. Ich habe es ja selbst in der Hand, indem ich gute Leistungen zeige.“

 

 

Wie siehst du das Niveau bei Orenburg und der Unterschied zur Landesliga?

 

„Wir trainieren jeden Tag zweimal und ich merke es bereits an meinen Knochen (lacht). Im Vergleich zur Landesliga ist das natürlich ein großer Sprung. Bei den Einheiten geht es richtig zur Sache. Du musst immer auf Spannung sein. Aber genau das reizt mich auch und da kann ich noch viel lernen und mich weiterentwickeln.“

 

Wie bist du aufgenommen worden?

 

„Dass ich russisch spreche, ist natürlich ein Vorteil. Klar, muss ich manchmal noch überlegen, was heißt das oder was bedeutet das, aber mit der Sprache gibt es keine Probleme. Ich bin natürlich in der Freizeit viel mit den jungen Spielern unterwegs, die in meinem Alter sind. Aber auch mit den älteren Spielern gibt es keine Probleme. Ich wurde gut aufgenommen und das hat mich sehr gerfreut.“

 

 

2018 steht die WM in Russland auf dem Plan. Hast du das auf dem Zettel? Ist es ein Thema in der Mannschaft?

 

„Bei uns in der Mannschaft nicht. Aber wenn ich dann in Russland bin, werde ich sicherlich was mitbekommen. Sollte ich 2018 in Russland sein, werde ich auch versuchen einige Spiele zu besuchen.“

 

 

Bei der EM in Frankreich machte Russland aufgrund der Hooligans leider negative Schlagzeilen. Wie siehst du dieses Thema?

 

„Sowas hat beim Fußball nichts verloren. Die Fans sollen sich auf den Tribünen gerne lautstark bemerkbar machen. Aber wenn Menschenleben gefährdet werden, dann hat das mit Fußball nichts zu tun. Dieses Problem gibt es ja leider nicht nur in Russland.“

 

 

In Orenburg warst du noch gar nicht. Was erwartet dich dort? Bleibt deine Familie in Deutschland?

 

„Stimmt. In Orenburg war ich noch nicht, da ich direkt ins Trainingslager in die Türkei nachgereist bin. Nach dem Trainingslager geht es für mich nochmal kurz nach Deutschland zu meiner Familie. Dann fliege ich alleine nach Orenburg, wo ich eine Wohnung beziehen werde. Darauf freue ich mich schon. Meine Familie bleibt in Deutschland. Ich werde zunächst alleine in Orenburg leben.“

 

 

Was sagen Familie und Freunde zu deinem Schritt nach Russland?

 

„Ich glaube, dass sie in erster Linie stolz sind, dass ich den Schritt zum Profi geschafft habe. Mein Vater hat mich immer gefördert seit ich mit vier Jahren mit dem Fußballspielen angefangen habe. Auch mein Bruder, wegen dem ich mit dem Fußball begonnen habe. Meine Mutter tröstet mich noch immer nach verlorenen Spielen. Klar, ist sie auch ein wenig traurig, dass ich jetzt nicht mehr zuhause sein werde und in ein anderes Land ziehe. Meine Freunde haben mich beglückwünscht. Das ist mir alles wichtig, weil es mir das Gefühl gibt unterstützt zu werden. Ich bin froh, dass ich eine so gute Familie habe, die mich immer unterstützt. Das macht mich stolz, dass ich jetzt die Möglichkeit habe meiner Familie etwas zurückzugeben.“

 

Danke für das Interview Alex. Wir wünschen dir viel Erfolg in Orenburg.

 

 

Das Interview führte Matthias Schecklmann