Groundhopping im Wembley Stadium

Zu Gast im wohl bekanntesten und legendärsten Stadion: dem Wembley. Die Spurs, die wegen eines Stadionneubaues für ein Jahr in die historische Spielstätte gezogen waren, spielten ihre erste Partie gegen den FC Chelsea, der Verein, der sie eine Saison zuvor auf Rang zwei verwiesen hatte und der ihnen im Wembley nachfolgen sollte. Zeit zu zeigen, wer die Nummer 1 der Hauptstadt ist.

 

Das Stadion

Jede Auswärtsmannschaft freut sich, wenn es im Wembley zu Gast sein darf, besonders kleine Vereine

bekommen dieses tolle Stadion sonst nie zu Gesicht. Bei Tottenham hatte man aber großen Respekt vor dem Umzug. Ähnlich wie für West Ham, die im Vorjahr ins Olympiastadion gezogen waren, ist das große, weite Stadion eine komplett gegensätzliche Heimstätte zur White Hart Lane beziehungsweise dem Upton Park. Dass der erste Gegner der Vorjahresmeister war, sollte nicht zur gemütlichen Eingewöhnung beitragen.

 

 

Schon von der U-Bahn Station, von der es ganz gerade zum Wembley geht, sieht man den bekannten Bogen, der über die Arena gespannt ist. Die außerhalb liegenden Fanzonen und der Fanshop sind recht provisorisch eingerichtet, erfüllen aber ihren Zweck. Gerade der Shop ist viel zu klein, neben Spurs-Fanartikeln kann man dort auch Merchandise der Nationalmannschaft sowie der anderen Londoner Vereine kaufen, weswegen ein eigener Ordner für die Trikots des Gegners abgestellt wurde.

 

Nachdem das Wembley 2007, nach Abriss des alten Wembleys, wieder eröffnet wurde, ist es mittlerweile auf dem neuesten Stand der Dinge. In die oberen Ränge führen Rolltreppen, die es in der Allianz Arena beispielsweise nur für VIPs gibt. Das Speisen- und Getränkeangebot ist vielfältig und ausgezeichnet, der Chickenburger im Wembley gehörte zum Besten, was ich in England gegessen habe. Zur Bezahlung wird nur eine Kreditkarte akzeptiert.

 

Die Stimmung

Von einem Derby erwartet man sich einen besseren Support, als dies normalerweise der Fall ist, auch wenn es so viele Stadtkonkurrenten gibt. Zu unserer Enttäuschung war dies aber nicht gegeben, nur beim Einmarsch der Teams kam kurz Gänsehaut auf. Die eingespielten Trommelgeräusche waren am Anfang noch ganz lustig und animierend, mit zunehmender Spieldauer nervten sie aber, auch die anderen Fans gingen auf die Rhythmen nicht mehr ein.

 

Chelsea-Torhüter Courtois amüsierte sich in einem Zeitungsinterview ebenfalls über diesen zwanghaften Versuch, für Stimmung zu sorgen, wobei von den Blues-Anhängern nicht mehr zu hören war. Nur nach dem Ausgleich kam dann kurz wieder etwas Begeisterung auf, die durch Matchwinner Marcos Alonso aber schnell gestoppt wurde.

 

Das Spiel

Tottenham wirkte von Anfang an nervös, die Gäste hätten durch Morata bereits früh in Führung gehen können. Das taten sie dann auch durch einen sensationellen Freistoß von Marcos Alonso, während die Spurs weiterhin nicht wirklich ins Spiel fanden. Erst einige Minuten vor der Pause wurden sie den Erwartungen gerecht, hatten einige Topchancen auf den Ausgleich, unter anderem einen Stangenschuss durch den umtriebigen Harry Kane.

 

Die zweite Hälfte war ausgeglichen mit Chancen für beide Mannschaften, die besseren für die Gäste. Das Tor erzielte dann auch ein Stürmer der Blues, der wenige Minuten zuvor eingewechselte Michy Batshuayi köpfelte eine Freistoßflanke aber ins eigene Tor.

 

Marcos Alonso stellte den Vorsprung mit seinem zweiten Tor aber wieder her, nach einem Fehler im Umschaltspiel erzielte der Spanier unter kräftiger Mithilfe von Hugo Lloris den Siegestreffer.

 

Ein Fußballspiel im Wembley ist ein eindrucksvolles Ereignis, auch wenn der Support der Tottenham-Fans noch nicht der Spielstätte würdig war. Die moderne Infrastruktur im und um das Stadion trägt zum Fußballerlebnis bei, spiegelt sich allerdings auch im Ticketpreis wider.