Groundhopping Mladost Podgorica

Gespannt blickten wir der Auslosung für die zweite Qualifikationsrunde der Europa League entgegen. Nur kein Ostblock Gegner oder ein Exot, zu dem eine Anreise zum Auswärtsspiel, praktisch unmöglich ist. Mladost Podgorica oder Gandzasar Kapan hießen dann die möglichen Teams. Unser Wunschgegner war natürlich Mladost Podgorica, die dann auch ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. Für uns war klar, wir fahren nach Montenegro.

 

Planung und Anreise

Zu planen gab es eigentlich nicht allzu viel. Wir mussten nur entscheiden ob wir fliegen, selbst mit dem Auto oder mit einer organisierten Busfahrt reisen. Durch den Vorteil der eigenen Ungebundenheit, war die Entscheidung schnell getroffen, mit dem eigenen Auto anzureisen. Vor der Fahrt mussten wir nur die Grüne Versicherungskarte organisieren, da die an der bosnischen und montenegrinischen Grenze gerne verlangt wird. Unsere fast 900 km lange Anreise begann am Donnerstag um null Uhr. Dank der hervorragenden Autobahn in Kroatien verlief die Fahrt absolut problemlos.

 

Mit dem Sonnenaufgang fuhren wir über die kroatisch-bosnischen Grenze, wo das Auto das erste mal auf Herz und Nieren von der kroatischen Polizei auf Pyrotechnik und Waffen überprüft wurde. In Bosnien war dann für jeden etwas dabei. Angefangen von unzähligen Schlaglöchern bis über Kühe und einer ganzen Ziegenherde mitten auf der Straße war alles dabei. Absolutes Highlight war aber sicher ein Hund der unser fahrendes Auto angriff.

 

Bei der bosnisch-montenegrinischen Grenze gab es laut den bosnischen Grenzpolizisten ein Problem. Angeblich fehlte uns ein Einreisestempel nach Bosnien. Wir waren uns sicher das wir diesen Stempel nicht brauchen, weil wir diesen sonst mit Sicherheit beim Einreisen bekommen hätten. Nach kurzer Diskussion gaben wir den Polizisten 20€ für ein "Mittagessen" und die Sache war erledigt. Wir waren sicher zu 100 Prozent im Recht, aber sie sitzen dann doch am längeren Ast und schließlich wollten wir auch nichts riskieren, denn wir wollten ja unsere "Schwoazen" am Abend sehen.

 

Weit kamen wir nicht begrüßten uns schon die montenegrinischen Grenzpolizisten mit den Worten Sturm Graz. Wir durften wieder auf den Parkplatz neben dem Zollhäuschen fahren, wo das Auto erneut durchsucht wurde. Mit einem Unterschied: die Polizisten waren sehr nett. Sie hießen uns recht herzlich Willkommen in Montenegro und gaben uns sogar noch einen Flyer mit den wichtigsten Nummern für den Fall der Fälle. Kurz vor Abfahrt streckte noch einer der Polizisten sein Handy in das Auto, am Display waren die Quoten für das Spiel, mit den Worten: "Ihr seid Favorit!" fuhren wir weiter. Die restliche Zeit bestaunten wir das Hinterland bis wir schlussendlich um ca 10:30 Podgorica erreichten. 

 

Podgorica und das Spiel

Zuerst gönnten wir uns ein Bier da wir noch nicht in unser vorab gebuchtes Apartment einchecken konnten. Nachdem einchecken und frisch machen schlenderten wir ein wenig durch das Zentrum wo wir uns auch, wie soll es anders sein, eine Portion Cevapcici nicht entgehen ließen.

 

Die Stadt selbst ist nett, bietet aber nicht wirklich einen richtigen Hingucker. Mit dem ein und dem anderen Bier fieberten wir nun schon dem Ankick entgegen. Auf dem Weg zum Stadion trafen wir schon vereinzelt andere Anhänger. Beim Gradski Stadion pod Goricom (Städtisches Stadion unterhalb des Hügels) angekommen, wurden wir zweimal überrascht. Erstens wurde für das Spiel kein Eintritt verlangt und zweitens war das Stadion von außen modern im Vergleich mit anderen Stadien im Balkan. Im Innern machten sich dann doch ein wenig das Alter (Baujahr 1945), trotz der regelmäßigen Renovierungen, sichtbar.

 

 

 

Das Stadion bietet Platz für 17.000 Zuseher und ist somit das größte Stadion in Montenegro. Hauptsächlich wird es von FK Budućnost Podgorica und dem Nationalteam genutzt. Mladost muss im internationalen Bewerb auf das Nationalstadion ausweichen da ihr Stadion, Stadion na stari Aerodrom nicht den Ansprüchen der UEFA entspricht. Bemerkenswert ist die gute Atmosphäre die zustande kommt obwohl es kein geschlossenes Stadion ist. Vom Ankick bis zum erlösende 1:0 von Thorsten Röcher war immer noch die Angst vor dem möglichen Ausscheiden bei vielen Fans deutlich spürbar. Umso mehr wurde dieses Tor bejubelt.

 

Als kurz darauf das 2:0 durch Philipp Zulechner fiel gab es auf den Rängen kein halten mehr. Mit diesen Vorsprung ging es in die Pause. Erst in der Halbzeit nahmen wir wahr, dass, das Stadion recht gut besucht war. Laut lokaler Zeitung 6000 Zuseher, darunter ca 200-250 Grazer. Als nach Wiederbeginn Deni Alar abzog und nicht nur in das Tor sondern auch in jedes schwarz-weißes Herz traf, gab es keine Zweifel mehr am Aufstieg und es wurde die restliche Spielzeit eine Party im Block gefeiert.

 

 

Sightseeing

Am Tag zwei stand Sightseeing am Plan. Wir fuhren vom Zentrum durch die malerische Landschaft Richtung Küste. Die Natur hier ist wirklich ein absoluter Wahnsinn und sehr zu empfehlen. Die erste Station war Budva. Wir fuhren dem Ort gleich mit dem Auto ab.

 

Auf den Straßen waren sehr viele Urlauber. Die Stadt ist bekannt für Ihr Nachtleben. Die nächste Station die wir erreichten war Tivat. Wir schlenderten die Strandpromenade entlang und nahmen direkt am Strand ein Mittagessen zu uns. Es ist ein kleineres, ruhigeres Örtchen. Dann ging es schon zu unserem eigentlichen Ziel, der Bucht von Kotor. Wir fuhren die gesamte Bucht ab und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Berge, die teilweise fast ganz am Ufer enden, schlängeln sich durch die ganze Bucht. Das glasklare Wasser lockt vereinzelte Badegäste an. Es fällt extrem schwer diese Eindrücke hier zu beschreiben oder auf Fotos festzuhalten. Man muss es selbst gesehen haben.

 

 

 

Die Fahrt durch die gesamte Bucht dauert ca. eine Stunde. Ohne zu diskutieren waren wir uns einig, dass die Bucht von Kotor völlig zu Recht ein UNESCO Weltkulturerbe ist. Auf der Heimfahrt konnten wir noch sehr gut den Sonnenuntergang an der kroatischen Steilküste beobachten. Da konnte man das Erlebte sehr gut Revue passiern lassen. Wir fuhren exakt 1858 Kilometer, saßen ca. 24 Stunden im Auto und verloren unsere Stimmen. Alles für unsere große Liebe. Wieder in Graz angekommen war klar: es hat sich voll und ganz ausgezahlt und war auf jeden Fall die Strapazen wert.