Groundhopping FC Southampton

Am zweiten Tag ging es für uns schon wieder aus London hinaus. Mit dem Zug und einigen Gästefans fuhren wir in die über 100 Kilometer entfernte Hafenstadt Southampton, um dem Spiel FC Southampton gegen West Ham United beizuwohnen.

 

Das Stadion

Zum ersten Highlight kam es bereits bevor wir das Stadion überhaupt sehen konnten. Da wir keine Ahnung hatten, wie wir zur Spielstätte der Saints kommen sollten, und noch genug Zeit, gingen wir dorthin, wo es uns eben am besten gefiel. Als wir dann plötzlich vorm Mannschaftsbus West Hams standen, kamen die Patrioten in uns zum Vorschein. Immerhin war das Enfant terrible des österreichischen Fußballs Marko Arnautovic in der vorangegangenen Sommerpause mit einer Ablöse von 22,3 Millionen Euro zum teuersten österreichischen Fußballers avanciert, da musste die Chance auf ein Foto natürlich genutzt werden.

 

Angekommen am St. Mary's Stadium fiel zuerst die „Saints Brass“-Band auf, die unüberhörbar für Stimmung sorgte. Das Stadion selbst ist eine moderne Fußball-Arena, die natürlich mit historischen Spielstätten wie der Stamford Bridge nicht zu vergleichen ist. Nichtsdestotrotz kann man natürlich auch im 2001 eröffneten Stadion gut ein Fußballspiel verfolgen, aufgrund der größeren Beinfreiheit vielleicht sogar ein bisschen gemütlicher.

 

Eine Besonderheit in englischen Stadien ist die nicht gegebene, feste Abgrenzung des Auswärtssektors von den Heimfans. Auch in Southampton war nur ein etwas 2 Meter breites Tuch zwischen den beiden Fanlagern gespannt, was am Ende eines hitzigen Spiels für einige Komplikationen sorgte, aber dazu später mehr.

 

Die Stimmung

Beeindruckt waren wir von den West Ham Fans, die durchgehend ihr Team supporteten. Immer wieder liest man, dass man sich von der Stimmung in England nicht zu viel erwarten sollte, da das Verbot der Stehplätze und Trommeln, die hohen Ticketpreise und die Investoren viele Unterstützer vertrieben hätten. Teilweise ist das sicher richtig, für die Fans des Londoner Klubs galt das aber sicher nicht. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich die kurze und unkomplizierte Anreise, wie uns ein Hammers-Anhänger versicherte. Und so gilt Southampton als eine der besten Auswärtsfahrten für West Ham.

 

Die Fans der Saints, die im fast ausverkauften Stadion natürlich in Überzahl waren, stimmten immer wieder Gesänge an, die dann auf die anderen Heim-Supporter übergriffen, allerdings nicht in der Regelmäßigkeit, wie es die Londoner taten. Trotzdem zählte das Spiel stimmungsmäßig zu den besseren.

 

Das Spiel

Die beiden Teams begegneten sich auf Augenhöhe, wobei vor allem West Ham den Anspruch hat, an die Top-Mannschaften des Landes anzuschließen. Auch nach dem Führungstor des starken Manolo Gabbiadini hatten die in Schwarz spielenden Gäste Chancen auf den Ausgleich. Die rote Karte gegen Rekordeinkauf Marko Arnautovic für einen Ellbogencheck sorgte für den Wendepunkt in der ersten Hälfte. Southampton spielte West Ham an die Wand, das 2:0 durch einen Elfmeter war die logische Folge. Durch einen Abstauber kurz nach Wiederanpfiff brachte der zweite Neueinkauf Javier Hernandez die Auswärtsmannschaft wieder zurück in die Partie, ein zweiter eine Viertelstunde vor Abpfiff brachte den Ausgleich in Unterzahl. Charlie Austin sorgte allerdings mit einem weiteren Elfmeter in der 93.Minute für Verzweiflung bei den Gästefans, die gemeinsam mit ihrer in Unterzahl spielenden Mannschaft das Unentschieden fast erkämpft hatten.

 

Zwei Anhänger der Saints liefen danach auf den Platz, um die mitgereisten Hauptstädter zu provozieren. Diese ließen das nicht auf sich sitzen und stürmten den angrenzenden Heimblock, die erwähnten Tücher hinderten sie dabei natürlich nicht. Auch die Ordner hatten große Mühe die beiden Lager auseinander zu halten, zu Verletzten soll es aber nicht gekommen sein.

 

Southampton ist auf jeden Fall eine Reise wert, wenn man zum Beispiel gerade in London unterwegs ist. Die Stadt ist zwar kein wirkliches Highlight, dafür kann man im St Mary's Stadium guten Premier League Fußball sehen, das vor allem auch zu einem günstigeren Preis als anderswo. Der Kauf funktioniert unkompliziert über print@home, was in England eher die Ausnahme als die Regel ist.

 

Ein Bericht von Johannes Hauser