Die konträre Fußballwelt

Wir schreiben das Fußballjahr 2017, Sommerpause. Wie gewohnt dominieren Transfernews und Gerüchte die Fußballmedien in den Sozialen Netzwerken, während man sich Testspiele ansieht und den Saisonstart herbeisehnt. Gerade bei Testspielen sieht man noch viel, von dem "echten" Fußball, von dem heutzutage nicht mehr all zu viel erhalten scheint. Neben dem nicht wirklich ernst genommenen CONFED Cup, gab es jedoch ein Fußball-Großereignis, dass in diesem Sommer in unseren Augen besonders aus der grauen Sommerpause hervorstach. Die Frauenfußball-Europameisterschaft.

 

Die Frauenfußball-Europameisterschaft

Bisher habe ich den Frauenfußball eher am Rande mitbekommen. Oftmals blieb ich einfach beim Zappen auf einem Sportkanal hängen, auf dem das ein oder andere Frauenfußballspiel lief. Man hatte das Gefühl man beobachtet gerade ein Semi-Profi-Spiel in einer etwas niedrigeren Klasse, jedoch meine ich hier konkret nicht das Niveau. Ich meine die Größe der Stadien, die Verbissenheit der Spielerinnen, ohne Star-Allüren. Ich bin sogar davon überzeugt, dass einige männliche Akteure weitaus länger vor dem Spiegel verbringen, als die Akteurinnen im Fernsehen. Warum? Vielleicht liegt es daran, dass es ihnen einfach nur um das Spiel geht. Um den Spaß, die Leidenschaft und den Willen gemeinsam mit Freundinnen etwas zu erreichen, zu gewinnen und stolz sein zu können, man könnte fast sagen "back to the roots".

 

Der männliche Kontrast

Morgens, 06:30 auf dem Weg zur Arbeit. Noch schnell die aktuellen News checken, bevor es ins Büro geht. Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte. Eine unseriöse Nachrichtenseite schreibt von einem Mega-Angebot für einen Fußballer. Nichts Neues. Viele, weitere Medien springen auf den Zug auf, um auch für ihre Seite in gewohnter "Barcelona bietet für Stürmer"-Clickbait-Manier Zugriffe abzustauben. Schlussendlich wird man den ganzen Tag über von dieser News erschlagen. Profitgier, in allen Bereichen der Fußballwelt.

 

Neben Unsummen von Transfers, die jeden Fußballromantiker zur Weißglut bringen, treibt es mich mittlerweile in den Wahnsinn, die Fülle an den immer wieder gleichen Artikeln in meinem Newsfeed zu ignorieren.

 

Der Anstoß zu diesem Blog

Anfang August 2017 kam ein weiteres der vielen Gerüchte in die Medien. Barcas Superstar Neymar soll vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain stehen. "Puh", dachte ich mir nur. Zum einen geschuldet durch die enorme Hitze, aber wohl auch, weil ich die kolportierte Ablösesumme las. Gerade in einer Zeit, in der man dachte, dass es nach den enormen Investitionen in China für die Fußballwelt kaum noch schlimmer kommen kann. Denkste, der Fußball-Kapitalismus hat immer eine Überraschung parat. 222 Millionen, um diese Summe zu verdeutlichen, muss man sie wohl mit Komma-Stellen ausschreiben. 222.000.000,00 - für einen Menschen. Einen Menschen der Fußball spielt. Unfassbar.

 


Beinahe gleichzeitig, kämpft die österreichische Fußballnationalmannschaft der Damen bei ihrer ersten Europameisterschaft um den Einzug ins Halbfinale. Ausgerechnet gegen den hohen Favoriten Spanien präsentierten sich die Österreicherinnen defensiv stabil. Top vorbereitet konzentrierten sie sich auf ihre Stärken, ließen Spanien immer wieder gegen ihr Abwehrbollwerk anlaufen und kamen ins Elfmeterschießen. Während den Spanierinnen die Angst ins Gesicht geschrieben schien, lachten die Österreicherinnen, scherzten und vermittelten dem Zusehr das Gefühl, dass es sich gerade um ein Freundschafts- oder Wohltätigkeitsspiel handeln müsste. Wie soll es anders sein? Die Österreicherinnen gewannen mit einer unfassbaren Leidenschaft und einer einzigartigen Ausstrahlung die Partie und standen im Halbfinale der Europameisterschaft gegen die Frauen aus Dänemark.

 

 

Ein persönliches Nachwort

Ich muss gestehen, dass dieser Blog eigentlich gar nicht geplant war. Er entstand spontan, aus dem Gefühl heraus, an exakt dem Tag, an dem der Wechsel von Neymar für diese unfassbare Summe als quasi-fix vermeldet wurde, während die Österreicherinnen im Halbfinale der EM standen.

 

Selten war ich so genervt von dem modernen Fußball, von genau dem Sport, den ich doch bereits seit meiner Kindheit so sehr liebe. In meinen Augen ist mittlerweile ein Punkt erreicht, an dem ich den modernen Fußball anders wahr nehme. Ich kann dieses Gefühl noch nicht genau einordnen, aber dennoch ist es da und kann auch nicht verdrängt werden. Der Männerfußball, geprägt durch gigantische Werbedeals, als Spielzeug von Scheichs, Oligarchen und anderen Superreichen. Auf der anderen Seite, der "ehrliche" Fußball der Frauen.

 

Was ich mit diesem Text hier bezwecken möchte? Idealerweise möchte ich damit ein paar Hirnzellen anstrengen, in der Hoffnung, dass genau du dir als Leser Gedanken darüber machst, was für dich persönlich Fußball ist. Was ist deine ganz persönliche Welt des Fußballs? Meine ist der Fußball an sich. Eine Liebe, der ich immer die Treue halten werde. Auch wenn ich die Entwicklung durchwegs bedenklich finde. Eine Liebe, der ich in der modernen Zeit die Treue halte, auch wenn ich den Gedanken an die Zukunft bedenklich finde. Eine Liebe, der ich die Treue halte, egal ob Premiere League, China, die Frauenfußball-EM oder Amateurfußball in der fünften Liga.

 

Ein Blog von Philipp Bukowsky