Groundhopping Slavia Prag

Bei meiner Reise von Wien in Richtung Mitteldeutschland entschied ich mich einen Stopp in Prag einzulegen. Zu meiner Freude entdeckte ich, dass an meinem geplanten Aufenthaltstag das Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Slavia Prag und BATE Borissow anstand. Meine Hoffnungen Tickets online zu erwerben erwiesen sich allerdings schnell als aussichtslos. Zwar gab es ein Ticketportal, doch leider schien das Spiel bereits ausverkauft zu sein.

Unverdrossen entschied ich mich mein Glück vor Ort zu versuchen und beim Stadion auf Restkarten zu hoffen. Am Tag des Matches schlenderte ich zu Fuß zum Stadion. Mein Hotel, preisgünstig mit Frühstück um die 30 Euro, befand sich nur wenige Gehminuten von der relativ neuen Arena.

 

Auf dem Weg zur Eden Arena (Fassungsvermögen 21500 Zuschauer, davon 900 VIP-Plätze) war noch wenig Fußball-Stimmung zu spüren. Lediglich ab und an kreuzte ein Slavia-Trikot meinen Weg. Nachdem ich von Weitem einen in das Stadion integrierten McDonald's erblickte, hielten sich meine Erwartungen auf gute Stimmung in Grenzen. Nach einem schnellen Bier für 1,80 Euro konnte ich tatsächlich noch ein Ticket für 24 Euro ergattern. Zu meiner Überraschung befand sich mein Platz direkt am Spielfeldrand fast neben der Betreuerbank. Vor dem Spiel wurden im Stadion Highlights aus der Vereinsgeschichte gezeigt, da kam auch bei mir kurz Gänsehaut auf. Beim Einlaufen der Spieler und Verlesen der Spielernamen, von denen mir lediglich der Ex-Salzburger Dusan Svento ein Begriff war, kam langsam Stimmung auf.

Zum Anpfiff hatte sich die Kurve komplett gefüllt und war zum Leben erwacht. Lautstark wurde "Slavia" skandiert und es folgten bekannte Melodien. Etwas enttäuschend stellte ich fest, dass im angeblich ausverkauften Stadion noch etliche Plätze frei waren. Der Gästesektor war nur spärlich besucht. Um die 80 Weißrussen hatten den Weg auf sich genommen, kamen aber nie in Schwung, da anscheinend nur zehn Ultras darunter waren. Es war aber auch nicht verwunderlich, da BATE in der 19. Minute eine rote Karte und ein Gegentor per Elfmeter hinnehmen musste. Schon zuvor hatte Slavia den Gegner eng eingeschnürt und war auch in der Folge immer am Drücker. Das machte sich auch auf den Rängen bemerkbar. Doch mehr als das 1:0 sollte einfach nicht gelingen. Zur Halbzeit gönnte ich mir eine Klobasa-Wurst und einen Softdrink für 4,40 Euro, was ein sehr fairer Preis ist. Die zweite Hälfte begann, wie auch die Erste begonnen hatte. Slavia weiterhin am Drücker und in der 50. Minute mit einem Pfostenschuss. BATE konnte sich teilweise nur durch Fouls helfen. In der 67. Minute bestätigte die Durchsage der Zuschauerzahl meine Annahmen: 18147 Besucher waren in die Eden Arena gekommen. Am Spielverlauf änderte sich nichts: Slavia drückte, BATE mauerte. Nach mehreren Wechseln und Umstellungen trafen die Tschechen in der 81. Minute nochmals den Pfosten. Das 2:0 lag in der Luft, doch fiel nicht mehr. BATE kam mit dem 0:1 glimpflich davon. Nach dem Sieg wurde die Mannschaft in der Kurve gefeiert, doch die Stimmung vor dem Stadion war von Unzufriedenheit über den knappen Sieg geprägt.