Wiener Sportclub - SV Ried

1.Runde im ÖFB-Cup, ein seltenes Ziel für Auswärtsfahrer, warten doch auf alle Profivereine Amateurklubs, und die sind häufig in den hintersten Ecken Österreichs. Nun bekam die SV Ried aber das wohl attraktivste Los, den Wiener Sportclub. Ein Pflichttermin, um eine Lücke in der österreichischen Fußballhistorie zu schließen. 

 

Die letzte Saison war für beide Vereine ziemlich miserabel gelaufen: Der Kultverein aus Wien war wieder einmal vor dem Aus gestanden, die wenige Tage vor dem Spiel erfolgte Umbenennung in Wiener Sportclub gab ihm und seinem Umfeld aber wieder Auftrieb. Auf der anderen Seite die SV Ried, die nach dem Abstieg und einer hoffnungsvollen Sommerpause optimistisch das Ziel Wiederaufstieg angehen konnte.

 

Die Vorfreude auf die neue Saison zeigte sich an der Zuschauerzahl, die mit 1511 überdurchschnittlich

für die erste Runde des ÖFB-Cups war, inklusive ordentlichem Auswärtsmob und dem gewohnt lässigen Support der Anhänger auf der Friedhofstribüne.  Dem Sportclub-Platz sieht man sein Alter an, immerhin ist er das älteste, durchgehend bespielte (seit 1904) Stadion Österreich. Schon beim ersten Anblick von der riesigen Blauen Tribüne merkt man den Charme dieses Spielortes, umso trauriger ist der in naher Zukunft geplante Umbau, obwohl dieser wohl notwendig ist. Die Haupttribüne, die an englische Stadien erinnert, die legendäre Friedhofstribüne mit dem ungewohnten Spielertunnel, der ebenso als Garagentor zu gebrauchen wäre, und das weiße Haus daneben, das dem blinden Platzsprecher des WSC seinen Arbeitsraum bietet. Selten findet man in den modernen Stadien noch so viele Besonderheiten wie an diesem tollen Platz. Dass Kult keine Spiele gewinnt, zeigte sich nach den folgenden 90 Minuten, als die betagte Ergebnistafel einen Endstand von 0:4 aus Sicht des Heimteams anzeigte. Das hielt die Anhänger des Wiener Sportclubs aber nicht davon ab, ihrer eigene und der gegnerischen Mannschaft zu applaudieren. Obwohl der WSC zum Durchschnitt in der Regionalliga Ost zählt, ist er immer eine Reise wert. Es bleibt nur zu hoffen, dass er wieder an erfolgreichere Zeiten anschließen kann, damit auch wieder etwas Charme in den heutigen Fußball

zurückkehren kann.

 

Ein Bericht von Johannes Hauser